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03.11.2026

COP17: Beschlüsse allein reichen nicht

LIB zieht Bilanz der Biodiversitätskonferenz in Armenien
Fünf Personen mit Namensschildern und grünen Bändern stehen vor einer großen, kugelförmigen Skulptur mit Tier- und Pflanzenmotiven in einem Innenraum.
News Wissensvermittlung

Die UN-Biodiversitätskonferenz COP17 in Jerewan ist beendet. Mit dem sogenannten Yerevan Pathway haben die Vertragsstaaten einen gemeinsamen Fahrplan beschlossen, um die Umsetzung des Weltnaturabkommens zu beschleunigen. Doch die erste globale Bestandsaufnahme zeigt: Die bisherigen Anstrengungen reichen nicht aus, um die Biodiversitätsziele bis 2030 zu erreichen.

Nach teils schwierigen Verhandlungen einigten sich die Staaten auf knapp 50 Beschlüsse. Diese sollen unter anderem den Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen voranbringen und die Überprüfung der Fortschritte beim Biodiversitätsschutz verbessern. Zudem wurden auf der Konferenz neue Finanzierungszusagen und -initiativen von öffentlichen und privaten Geldgebern im Umfang von insgesamt knapp zwei Milliarden US-Dollar angekündigt. Ein wichtiger Fortschritt ist die Stärkung der Beteiligung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften: Die Vertragsstaaten einigten sich auf die Arbeitsregeln eines bereits beschlossenen ständigen Gremiums, das ihnen künftig mehr Mitsprache bei internationalen Entscheidungen zum Schutz der biologischen Vielfalt ermöglichen soll.

Bei der langfristigen Finanzierung des Biodiversitätsschutzes blieben jedoch wichtige Fragen offen. Zwar verständigten sich die Staaten auf Kriterien für einen künftigen Finanzierungsmechanismus, dessen konkrete Ausgestaltung wurde aber auf die nächste Konferenz vertagt. Dabei sollen bis 2030 jährlich mindestens 200 Milliarden US-Dollar für den Biodiversitätsschutz mobilisiert werden. Konkrete Fortschritte gab es hingegen beim Monitoring: Ein neues Fachgremium soll die Anwendung des internationalen Monitoringrahmens unterstützen und damit helfen, die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen besser zu bewerten.

Mit Blick auf die Ursachen des Biodiversitätsverlusts sieht Prof. Dr. Christoph Scherber, stellvertretender LIB-Generaldirektor am Standort Bonn, weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Gegenüber dem Science Media Center erklärte er zum Abschluss der Konferenz: „Die eigentlichen Treiber des Biodiversitätswandels – vor allem Landnutzung, Übernutzung von Ressourcen und Klimawandel – bleiben aber bestehen, so dass es fast unmöglich sein dürfte, die Ziele bis 2030 zu erreichen.“

Das LIB war bei der COP17 als Beobachterorganisation akkreditiert und mit Dr. Karen Meusemann und Björn Rulik vor Ort vertreten. Ein wichtiges Thema, das die beiden auf der Konferenz verfolgten, war der Umgang mit digitalen Sequenzinformationen (DSI). Dabei ging es unter anderem um die weitere Ausgestaltung des internationalen Vorteilsausgleichs für die Nutzung genetischer Daten. Neben finanziellen Beiträgen spielen dabei auch nichtmonetäre Leistungen wie Wissenstransfer und der Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten eine Rolle.

„Offene genetische Daten sind für die internationale Biodiversitätsforschung unverzichtbar. Gleichzeitig müssen die Vorteile aus ihrer Nutzung gerecht verteilt werden und insbesondere auch den biodiversitätsreichen Ländern zugutekommen. Dafür brauchen wir faire und praktikable Lösungen, die wissenschaftliche Zusammenarbeit ermöglichen“, betont LIB-Forscher Björn Rulik.

Bereits im Vorfeld der COP17 hatte das LIB gemeinsam mit vier weiteren Forschungseinrichtungen zu entschlossenem Handeln beim Schutz der biologischen Vielfalt aufgerufen.

„Die COP17 hat noch einmal deutlich gemacht, wie groß die Lücke zwischen den internationalen Biodiversitätszielen und ihrer tatsächlichen Umsetzung ist. Um diese Lücke zu schließen, brauchen wir eine verlässliche Finanzierung, wissenschaftlich fundiertes Biodiversitätsmonitoring, den offenen Zugang zu Forschungsdaten und starke internationale Forschungsnetzwerke. Jetzt müssen politische Zusagen in konkretes Handeln übersetzt werden“, betont LIB-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Misof.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit stärken

Neben den Verhandlungen und Veranstaltungen zur Bedeutung naturkundlicher Sammlungen, zur Zukunft von Citizen Science, zur Rolle der Bioökonomie und zur Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik stand für Karen Meusemann und Björn Rulik vor allem die internationale Vernetzung im Mittelpunkt. Sie tauschten sich mit Fachleuten aus Forschungseinrichtungen und Behörden wie Senckenberg, dem ZALF, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Naturalis sowie mit langjährigen Forschungspartnern aus dem Kaukasus aus.

So trafen sie unter anderem Prof. David Tarkhnishvili von der Ilia State University in Georgien sowie Prof. Marine Arakelyan und Dr. Meri Arzumanyan von der Yerevan State University. Mit beiden Einrichtungen verbindet das LIB eine langjährige Zusammenarbeit, unter anderem im Projekt Caucasus Barcode of Life (CaBOL) und im Rahmen des Erasmus-Austauschs. Gemeinsam erforschen die Partner die biologische Vielfalt des Kaukasus – einer der weltweit anerkannten Biodiversitätshotspots, dessen Artenvielfalt in weiten Teilen noch unzureichend erforscht ist.

Neben den fachlichen Diskussionen beschäftigte die LIB-Delegierten auch die öffentliche Wahrnehmung der Konferenz:

„Mein Eindruck ist, dass die COP17 in der medialen Öffentlichkeit in Deutschland nur sehr wenig Aufmerksamkeit erhalten hat, erheblich weniger als vor 2 Jahren. Wir – inkl. die Medien – müssen endlich auch in Öffentlichkeit und Politik Biodiversität mitdenken: Wir sind Teil der Natur. Antonio Guterres hat es im Vorwort Global Report 2026, State of Biodiversity Action auf den Punkt gebracht: ‚Safeguarding biological diversity is essential to the health of our planet, the resilience of our economies, and the well-being of all people‘. Nicht weniger. Als Wissenschaftseinrichtungen muss es uns noch mehr gelingen – auch wenn wir bereits intensiv daran arbeiten, z. B. mit Projekten wie FörTax –, die Bedeutung der Biodiversität, ihrer Krise und ‚natur-positiven Lösungen‘ sichtbarer und erfahrbarer zu machen. Damit wir vom Reden ins Handeln kommen“, sagt Karen Meusemann.

Ausblick auf die COP18 in Ecuador

Die nächste Biodiversitätskonferenz findet 2028 in Ecuador statt. Auch dort engagiert sich das LIB seit vielen Jahren in internationalen Forschungskooperationen, unter anderem mit dem Instituto Nacional de Biodiversidad (INABIO) und der Universidad San Francisco de Quito (USFQ). Seit 2019 organisieren LIB-Forschende zudem jährlich zweiwöchige Exkursionen in die Nebel- und Tieflandregenwälder Ecuadors für Biologiestudierende der Universität Bonn. Gemeinsam mit der Pontificia Universidad Católica del Ecuador (PUCE) baut das LIB außerdem das Ecuadorian-German Integrative Biodiversity Research Center (EGiB) in Quito auf. Das Zentrum soll die Erforschung der biologischen Vielfalt und den Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten vor Ort stärken.

Bis zur COP18 bleiben zwei Jahre, um die Beschlüsse von Jerewan umzusetzen und messbare Fortschritte beim Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt sowie bei der Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme zu erzielen. Die Ziele sind erreichbar – doch die Zeit drängt.

Mehr erfahren: Wie das LIB gemeinsam mit Forschungspartnern in Ecuador und Madagaskar die Biodiversitätsforschung stärkt, zeigt unser Magazinbeitrag „Global forschen, lokal wirken“.

Wand mit zahlreichen ausgeschnittenen Elefantenfiguren in verschiedenen Farben, die mit Texten zu Umweltthemen beschriftet sind, darunter 'Global warming', 'Deforestation' und 'Climate change'.
Impression von der COP17 in Armenien
Fünf Personen mit Namensschildern und grünen Bändern stehen vor einer großen, kugelförmigen Skulptur mit Tier- und Pflanzenmotiven in einem Innenraum.
Unsere LIB-Delegierten Dr. Karen Meusemann und Bjoern Rulik mit Prof. David Tarkhnishvili von der Ilia State University in Georgien sowie Prof. Marine Arakelyan und Meri Arzumanyan von der Yerevan State University
Fassade eines Veranstaltungsgebäudes mit dem Schriftzug 'COP 17 TAKING ACTION FOR NATURE' und einem Banner mit der Aufschrift 'GREEN ZONE' sowie mehreren Pflanzen und Bänken im Vordergrund.
Impression von der COP17 in Armenien
Bunt bemalte Skulptur eines sitzenden Tieres von hinten in einem Konferenzsaal mit COP17-Logo auf einer großen Leinwand im Hintergrund.
Impression von der COP17 in Armenien
Nahaufnahme einer Schwebfliege auf einer rot-gelb gefärbten Blüte mit grünen Blättern im Hintergrund
Impression von der COP17 in Armenien mit Schwebfliege Eristalis tenax (Linnaeus, 1758)
Wand mit zahlreichen ausgeschnittenen Elefantenfiguren in verschiedenen Farben, die mit Texten zu Umweltthemen beschriftet sind, darunter 'Global warming', 'Deforestation' und 'Climate change'.
Impression von der COP17 in Armenien
Fünf Personen mit Namensschildern und grünen Bändern stehen vor einer großen, kugelförmigen Skulptur mit Tier- und Pflanzenmotiven in einem Innenraum.
Unsere LIB-Delegierten Dr. Karen Meusemann und Bjoern Rulik mit Prof. David Tarkhnishvili von der Ilia State University in Georgien sowie Prof. Marine Arakelyan und Meri Arzumanyan von der Yerevan State University
Fassade eines Veranstaltungsgebäudes mit dem Schriftzug 'COP 17 TAKING ACTION FOR NATURE' und einem Banner mit der Aufschrift 'GREEN ZONE' sowie mehreren Pflanzen und Bänken im Vordergrund.
Impression von der COP17 in Armenien
Bunt bemalte Skulptur eines sitzenden Tieres von hinten in einem Konferenzsaal mit COP17-Logo auf einer großen Leinwand im Hintergrund.
Impression von der COP17 in Armenien
Nahaufnahme einer Schwebfliege auf einer rot-gelb gefärbten Blüte mit grünen Blättern im Hintergrund
Impression von der COP17 in Armenien mit Schwebfliege Eristalis tenax (Linnaeus, 1758)

Wissenschaftliche Ansprechperson LIB

Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Misof

  • Generaldirektor / Lehrstuhl „Spezielle Zoologie“

Tel.: +49 228 9122 200
E-Mail: b.misof@leibniz-lib.de

Presse-Kontakt (LIB Hamburg)

Dr. Franziska Ahnert-Michel

  • Referentin crossmediale Kommunikation

Tel.: +49 40 238317 909
E-Mail: f.ahnert-michel@leibniz-lib.de

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