Wer zwitschert im Kirschbaum, und wer besucht nachts den Teich? Privatgärten nehmen in Deutschland eine Fläche so groß wie alle Naturschutzgebiete zusammen ein – dennoch fehlen bislang belastbare Daten über ihre Biodiversität. Das neue Citizen-Science-Projekt „Communities Observing Green Spaces“ (COGS) am LIB soll das nun ändern: Bürgerinnen und Bürger in Bonn und Hamburg werden zu Forschenden vor der eigenen Tür. Ziel ist es, für Biodiversität zu sensibilisieren und die Resilienz städtischer Naturräume partnerschaftlich zu stärken.
Hightech im Garten: Von der KI-Kamera zum eDNA-Kit
Die Methoden zur Überwachung der Biodiversität entwickeln sich momentan rasant. Angesichts der schwindenden Artenvielfalt ist dies eine gute Nachricht. Während die Bestimmung früher aufwändig durch Expertinnen und Experten erfolgte, kommen heutzutage auch standardisierte, minimal-invasive Technologien für Laien zum Einsatz. “Mit diesen innovativen Technologien und Unterstützung der Bevölkerung erhalten wir ein viel umfassenderes Bild der Biodiversität als früher“, erläutert Dr. Sarah Bourlat, Leiterin von COGS. „Wir können Monitoring heute nicht mehr ohne die Gesellschaft leisten.”
So identifizieren bei COGS solarbetriebene Futterhäuschen Vögel per KI und senden Bilder direkt aufs Smartphone von Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzern. Akustische Sensoren erfassen zudem Vögel per Gesang, was die Datenmenge deutlich erhöht. Die Ergebnisse werden automatisch auf einer digitalen Weltkarte geteilt. Wer einen Teich hat, kann außerdem sogenannte eDNA–Kits nutzen, die Amphibien und andere Wirbeltiere über Umwelt-DNA in Wasserproben nachweisen. Die Ergebnisse werden in LIB-Laboren ausgewertet und geteilt.
Das Interesse ist überwältigend: Die Nachfrage nach den kostenlosen Leihgeräten übersteigt das Angebot bei weitem. Erstmals können umfassende Erkenntnisse über Garten-Ökosysteme gewonnen werden. „Da gibt es ein riesiges Potenzial, das noch ungenutzt ist“, erklärt Kathleen Dittrich, Forscherin im COGS-Projekt. Das gilt auch für den Naturschutz im privaten Raum: Wer die Bewohner des eigenen Gartens kennt, möchte deren Lebensraum schützen. „Deshalb finde ich es besonders schön, dass auch Schulen mitmachen“, freut sich Sarah Bourlat. „Wir möchten zu einem Mainstreaming von Artenkenntnis beitragen.“
Blick in die Zukunft
Die Ergebnisse fließen nicht nur in die Forschung, sondern sollen auch den Städten Bonn und Hamburg bei einer biodiversitätsfreundlichen Planung helfen. Eine Roadmap für das Monitoring soll künftig anderen Städten als Modell dienen. Zudem sollen die Projektdaten in eine eigene Monitoring-Datenbank fließen, die von anderen Institutionen wie Städten und Kommunen für die Planung genutzt werden kann. Die Daten sollen auch Aufschluss über Veränderungen der Biodiversität und die Ausbreitung von Krankheiten oder Klimafolgen geben.
Das Interesse an dem Projekt ist sehr groß - bereits nach kurzer Zeit waren alle Geräte in Bonn und Hamburg vergeben. Obwohl COGS zunächst bis Anfang 2027 läuft, ist das Ziel klar: Ein Langzeitprojekt, das zeigt, wie sich Bestände über Jahre verändern, und bei dem noch viel mehr Menschen mitmachen können. Jede Sichtung zählt – und jeder Garten wird zum Teil eines riesigen, lebendigen Labors.
Wissenschaftliche Ansprechperson
/leibniz-lib.de/fileadmin/user_upload/home/Bilder/LIB/Ueber_das_LIB/Mitarbeitende/Bonn/01_20241120_MKB_Portraits_LowRes_BourlatSarah_FKurceren_6N0A6945.jpg%3F1739187071)
- Sektionsleiterin Metabarcoding
- Ombudsperson - Sicherung der Guten wissenschaftlichen Praxis (Vertretung)
Tel.: +49 228 9122 353
E-Mail: s.bourlat@leibniz-lib.de
Pressekontakt
/leibniz-lib.de/fileadmin/user_upload/home/Bilder/LIB/Ueber_das_LIB/Mitarbeitende/Bonn/01_20241119_MKB_Portraits_LowRes_BuschAnika_FKurceren_6N0A4410.jpg%3F1739272514)
- Referentin für Kommunikation und digitale Medien
- Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit beim Projekt FörTax
Tel.: +49 228 9122 380
E-Mail: a.busch@leibniz-lib.de
/leibniz-lib.de/fileadmin/user_upload/home/Bilder/LIB/News/20260526_BirdBuddy_COGS.jpg%3F1779798932)