Gesunde Ökosysteme brauchen nicht nur viele Arten. Entscheidend ist auch, wie diese Arten miteinander vernetzt sind. Ein internationales Forschungsteam zeigt im renommierten Journal „Nature“, dass komplexe Nahrungsnetze die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen maßgeblich stärken. An der Publikation war Dr. David Ott vom LIB beteiligt.
Das Forschungsteam analysierte 318 Datensätze zu Nahrungsnetzen aus Meeres-, Süßwasser- und Bodenökosystemen, in denen zahlreiche Arten und ihre Fressbeziehungen erfasst sind. Dabei untersuchte es, wie Arten aus verschiedenen Ebenen des Nahrungsnetzes – von Pflanzen und Algen an der Basis über Pflanzenfresser bis hin zu Räubern auf höheren Ebenen – zusammenwirken und wie sich ihre Vielfalt auf wichtige Funktionen von Ökosystemen auswirkt. Anders als viele frühere Arbeiten, die sich auf einzelne Organismengruppen oder wenige Systeme konzentrierten, betrachtet die Studie erstmals die Komplexität ganzer Nahrungsnetze im bislang größten Umfang.
Die Ergebnisse zeigen: Mit zunehmender biologischer Vielfalt steigt auch die Leistungsfähigkeit von Ökosystemen. Besonders wichtig ist dabei die Vielfalt räuberischer Arten. Sie übernehmen unterschiedliche ökologische Rollen und ergänzen sich in ihren Funktionen. Dadurch werden Prozesse wie die biologische Schädlingskontrolle, Energieflüsse und die Stabilität von Ökosystemen gestärkt. Entscheidend ist somit nicht allein die Zahl der Arten, sondern auch die Vielfalt ihrer Wechselwirkungen innerhalb des Nahrungsnetzes.
Die Studie entstand im Rahmen eines weltweiten Forschungsnetzwerks unter Leitung der University of Waikato (Neuseeland) sowie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle–Jena–Leipzig.
„Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, den Schutz der biologischen Vielfalt nicht nur auf einzelne Arten zu fokussieren. Ebenso wichtig ist es, die ökologischen Beziehungen zwischen ihnen zu verstehen und zu erhalten, denn sie bilden die Grundlage funktionierender und widerstandsfähiger Ökosysteme“, erklärt Dr. David Ott vom LIB.
Insbesondere der Verlust von räuberischen Arten kann weitreichende Folgen für natürliche Prozesse haben kann. Neben der Artenvielfalt sollte für den Biodiversitätsschutz demnach auch die Komplexität ökologischer Netzwerke stärker berücksichtigt werden.
Originalpublikation:
Barnes, A.D., Brose, U., Eisenhauer, N. et al. Food web complexity underlies biodiversity effects on ecosystem functioning. Nature (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-026-10710-5
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