In vielen Agrarlandschaften steht es um die biologische Vielfalt schlecht. Schuld sind intensive Anbaumethoden, beispielsweise der massive Einsatz von Pestiziden. Der Bedarf nach nachhaltigem Pflanzenschutz ist also groß. Eine neue Studie mit LIB-Beteiligung geht der Frage nach, ob Blühstreifen auf Zuckerrübenfeldern Insektizide ersetzen können - mit überraschenden Erkenntnissen.
Insektizide bekämpfen oftmals nicht nur Schädlinge wie Blattläuse, sondern auch Nützlinge wie Marienkäfer und Bienen. Sie bergen außerdem Gesundheitsgefahren. Aus diesem Grund hat die Europäische Union (EU) viele Insektizide wie Neonikotinoide, die zuvor beim Zuckerrübenanbau zum Einsatz gekommen waren, verboten. Die Suche nach biologischen Alternativen ist in vollem Gange. Das LIB erforscht in verschiedenen Projekten, ob Blühstreifen, die Nützlinge anlocken, eine Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln sein könnten.
Ackerbohnen besonders wirksam
So auch im Projekt „FlowerBeet“, dass das LIB gemeinsam mit dem Institut für Zuckerrübenforschung durchführt. An zehn Standorten in ganz Deutschland haben Forschende in den vergangenen Jahren etwa sechs Meter breite Blühstreifen mitten in Zuckerrübenfeldern angelegt und überprüft, welchen Einfluss dies auf die Anzahl von Schädlingen und Nützlingen sowie auf den Ertrag hat. Die Zusammensetzung der blühenden Streifen haben sie experimentell variiert, wobei viele verschiedene Pflanzenfamilien zum Einsatz kamen, beispielsweise Hülsenfrüchtler, Korb- und Doldenblütler.
Die Ergebnisse präsentierten die Forschenden kürzlich in einer Studie im Journal of Applied Sciences: Alle Blumenmischungen reduzierten die Blattlauspopulationen im Vergleich zu unbehandelten Kontrollflächen bis mindestens zehn Meter ins Feld hinein wirksam – bei ähnlichen Zuckererträgen. Einige Mischungen zeigten eine mindestens ebenso gute Wirkung wie Insektizide, wobei Mischungen mit Hülsenfrüchtlern besonders wirksam gegen Blattläuse waren, vor allem die Ackerbohne. „Das ist ein erstaunliches Ergebnis, das wir in der Deutlichkeit nicht erwartet haben“, berichtet LIB-Forscher Ingo Glock. „Wir vermuten, dass Hülsenfrüchtler zum einen früh in der Saison bestimmte Raubtiere (Prädatoren und Parasitoide) anlocken, die die Blattläuse direkt bekämpfen, wenn diese einfliegen. Zum anderen scheint die Ackerbohne selbst für die Blattläuse, insbesondere die schwarze Bohnenlaus, noch attraktiver zu sein als die Zuckerrübe.“ Auch die biologische Vielfalt war auf den Flächen rund um die Blühstreifen gegenüber den Kontrollflächen deutlich erhöht.
Weitere Forschungen vonnöten
Die Forschung im Rahmen des Projekts “FlowerBeet” ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu nachhaltigeren Anbaumethoden. Die Ergebnisse zeigen, dass Blühstreifen eine wirksame Methode zur Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft darstellen können, wobei der Zuckerrübenanbau nur eines von vielen möglichen Beispielen ist.
Allerdings hatten die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte durch die Blühstreifen auch einen höheren finanziellen Aufwand, da sie Saatgut kaufen und die Blühstreifen pflegen mussten. Zudem verringerte sich ihre Anbaufläche für Zuckerrüben. „Ohne Subventionen würde sich das nach jetzigem Stand noch nicht rentieren“, so Glock. Wirtschaftliche Einbußen könnten allerdings verringert werden, wenn Mischkulturen aus Hülsenfrüchtlern und anderen Nutzpflanzen in abwechselnden Streifen gepflanzt werden.
Weitere Forschungen sind vonnöten, um mögliche Auswirkungen der Blühstreifen auf die Folgekulturen zu untersuchen und die Zusammensetzung der Pflanzenarten so zu optimieren, dass sowohl die Schädlingsbekämpfung bestmöglich gelingt als auch der Nutzen für die Biodiversität möglichst groß ist.
Publikation
Glock, I., Sodtke, K., Wieters, B., Witt, F. K., Lubjuhn, J., Scherber, C. 2026. “Insecticide-level pest control provided by in-field flower strips”. Journal of Applied Sciences, 63, 4 (April 2026). https://doi.org/10.1111/1365-2664.70378
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