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20.07.2026

Millionen für den Artenschutz: LIB beteiligt sich an europaweiter Biodiversitäts-Genomik-Initiative gegen das Artensterben

Naturalis Biodiversity Center
News Forschung Pressemitteilung

Das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) beteiligt sich an einem wegweisenden europäischen Großprojekt. Als Hauptpartner der Initiative „Biodiversity Genomics Europe plus“ (BGE+) koordiniert das LIB Fördergelder der Europäischen Union (EU). Ziel ist der Aufbau eines kontinentweiten, DNA-basierten Netzwerks. Durch modernste Genomforschung und DNA-basiertes Monitoring soll die bedrohte Natur Europas effizienter als je zuvor geschützt werden.

Das LIB als europäischer Motor: 2,75 Millionen Euro für die Forschung

Das LIB mobilisiert im Rahmen von BGE+ ein Netzwerk aus Forscherinnen und Forschern in ganz Europa. Dabei spielt es eine zentrale Rolle als Verteilerstelle für Fördermittel: So soll auch kleineren Institutionen der Zugang zu EU-Geldern ermöglicht werden. Insgesamt stehen 2,75 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen mindestens 42 Projekte gefördert werden sollen. Die Ausschreibungen dafür starten voraussichtlich Anfang 2027. Ziel dieser Initiative ist es, in Zukunft deutlich mehr DNA-Barcode- und Genomsequenz-Daten zu erstellen und zu nutzen. Durch diesen Schritt wird die Vielfalt der untersuchten Regionen und Artengruppen vergrößert, um neue Erkenntnisse über Arten und ihre genetische Vielfalt zu gewinnen. Dies gilt als entscheidender Meilenstein hin zu einem einheitlichen europäischen System für die Biodiversitätsgenomik.

 

Datenlücken als Problem für den Biodiversitätsschutz

Europas biologische Vielfalt schwindet in rasantem Tempo. Politische Entscheiderinnen und Entscheider scheitern bei der Entwicklung von Schutzstrategien oft an unvollständigen Daten. Weltweit sind zwar zwei Millionen Arten offiziell beschrieben, schätzungsweise Millionen weitere sind jedoch noch völlig unbekannt. Dies ist problematisch, denn man kann nur schützen, was man auch kennt. Um die Überwachung der Natur an das Tempo der Umweltkrise anzupassen, braucht es neue, grenzüberschreitende Ansätze.
 

Die Lösung: Eine technologische Revolution

Die Biodiversitätsgenomik durchläuft derzeit eine Revolution und könnte den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern genau die Daten liefern, die sie brauchen. Noch nie war es so kostengünstig und effizient möglich, Arten über ihre DNA zu identifizieren und Ökosysteme in großem Maßstab zu überwachen. Gleichzeitig wissen Forschende, dass die Entdeckung und Dokumentation der Arten nur ein Teil der Arbeit ist. Sie müssen auch verstehen, wie Arten auf Umweltveränderungen reagieren. Zu diesem Zweck kombiniert BGE+ taxonomisches Fachwissen und fortschrittliche Datensysteme mit zwei Schlüsseltechnologien:

- DNA-Barcoding: ermöglicht die schnelle und präzise Identifizierung von Arten

- Genomsequenzierung: liefert tiefe Einblicke in die Anpassung, Evolution und Resilienz von Organismen gegenüber Umweltveränderungen.
 

Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten für das Verständnis und den Schutz der Natur, da einfache Proben ausreichen - zum Beispiel aus dem Boden, der Luft oder dem Wasser -, um über hinterlassene DNA-Spuren die Artenvielfalt eines Lebensraums zu erfassen und Veränderungen zu beobachten.
 

Historischer Zusammenschluss für eine gemeinsame Infrastruktur

Um diese Technologien flächendeckend nutzbar zu machen, haben der European Reference Genome Atlas (ERGA), der International Barcode of Life Europe (iBOL Europe) und das Consortium of European Taxonomic Facilities (CETAF) eine historische Vereinbarung zur Biodiversitätsgenomik in Europa unterzeichnet. Gemeinsam bauen sie eine koordinierte europäische Infrastruktur auf. Expertinnen und Experten können dadurch in einem vernetzten System aus geteilten Ressourcen, Technologien und Daten zusammenarbeiten.


Politische Rückendeckung aus Brüssel

Die Vision von BGE+ deckt sich mit den Umweltzielen der Europäischen Kommission. Costas Kadis, EU-Kommissar für Fischerei und Ozeane, betonte kürzlich die dringende Notwendigkeit gemeinsamer Protokolle und vergleichbarer Daten. Eine speziell auf die Biodiversitätsgenomik ausgerichtete Infrastruktur in Europa sei der Schlüssel, um dieses Ziel zu erreichen. Das langfristige Ziel von BGE+ ist es, diese Dienste, Standards und Infrastruktur fest in der europäischen Forschung, Überwachung, Bewirtschaftung und Wiederherstellung der Natur zu verankern. Im Gegensatz zu dem Vorgängerprojekt BGE geht es bei BGE+ also explizit um die praktische Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse.
 

Originalstimmen zum Projekt

„Das LIB ist bei BGE+ sozusagen die Eingangstür für ganz viele tolle Projekte in ganz Europa.”

Sarah Bourlat, Sektionsleiterin Metabarcoding am LIB Bonn

 

„Mit BGE+ gehen wir den nächsten Schritt in Richtung europaweiter Biodiversitätsgenomik. Spannend ist hierbei, dass das LIB mit vielen neuen Partnern und Projekten direkt zusammenarbeiten wird und diese unterstützt, zum Erhalt der Arten beizutragen.”

Astrid Böhne, Sektionsleiterin Vergleichende Genomik am LIB Bonn

 

„Wir treten in eine neue Phase ein. Europa verfügt bereits über außergewöhnliches Fachwissen in den Bereichen Taxonomie, Genomik, Bioinformatik, Biodiversitätssammlungen und Umweltüberwachung. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Stärken so zu bündeln, dass wir in einem vernetzten System über geografische und politische Grenzen hinweg in großem Maßstab arbeiten können.“

Dimitris Koureas, Direktor von BGE+

 

„Um die aktuellen Herausforderungen im Bereich der biologischen Vielfalt zu bewältigen, bedarf es einer effektiven Zusammenarbeit unserer Gemeinschaften in ganz Europa, eines offenen Wissensaustauschs, einer soliden technischen Infrastruktur, harmonisierter Prozesse und vor allem einer gemeinsamen Vision. BGE+ vereint diese Elemente und ermöglicht und verstärkt so die Arbeit der Gemeinschaften im Bereich der Biodiversitätsgenomik in Europa und darüber hinaus.“

Gabriela Dankova, Projektleiterin von BGE+

Wissenschaftliche Ansprechperson

Dr. Sarah Bourlat

  • Sektionsleiterin Metabarcoding
  • Ombudsperson - Sicherung der Guten wissenschaftlichen Praxis (Vertretung)

Tel.: +49 228 9122 353
E-Mail: s.bourlat@leibniz-lib.de

Pressekontakt

Dr. Anika Busch

  • Referentin für Kommunikation und digitale Medien
  • Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit beim Projekt FörTax

Tel.: +49 228 9122 380
E-Mail: a.busch@leibniz-lib.de

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