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29.06.2026

Biobanking & Artenschutz: Das LIB als Motor des globalen Netzwerks

Dr. Jonas Astrin steht in der neuen Biobank des LIB
Der Kurator der LIB-Biobank Dr. Jonas Astrin in der neuen Biobank des LIB
News Forschung Museum Koenig Bonn

Biobanken für Biodiversität wie die des LIB sichern einmalige genetische Proben für heutige und kommende Generationen von Forschenden. Das Global Genome Biodiversity Network (GGBN) vernetzt diese Biobanken. Es ermöglicht damit der Wissenschaft, das Erbgut von Lebewesen weltweit nutzbar zu machen. Die Biobank des LIB ist ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks, dessen Sekretariat das LIB seit Anfang des Jahres leitet.

Biobanken – also gefrorene Sammlungen biologischer Proben wie DNA oder Gewebe – öffnen ein Fenster in die Vergangenheit von Ökosystemen, Arten und Populationen. Das Sammeln ermöglicht wichtige Folgestudien, ohne dass der Natur erneut Proben entnommen werden müssen. Damit leistet das Biobanking einen zentralen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

GGBN vernetzt Biobanken weltweit, verbindet die Forschung und setzt gemeinsame Standards. Das Herzstück ist ein zentrales Online-Portal, das aktuell die Daten von 50 Partnerbiobanken zusammenführt. Hier sind bereits sieben Millionen Proben abrufbar – Tendenz steigend. GGBN teilt diese genetischen Proben und Erbgut-Daten direkt mit Biobanken und der Wissenschaft.

Lebende Zellkulturen: Neue Wege gegen den Biodiversitätsverlust

Neu ist der wachsende Fokus auf lebende Zellkulturen. „Das ist zwar teurer und aufwendiger, bedeutet aber einen riesigen Fortschritt“, erklärt Jonas Astrin. Da die Zellen in flüssigem Stickstoff bei ca. -190 °C tiefgefroren lebensfähig bleiben, arbeitet ihr Stoffwechsel nach dem Auftauen weiter. Bei Tieren ermöglicht dies beispielsweise die Nutzung von Stammzellen oder die Zucht von Organoiden (kleinen Pseudo-Organen), was Tierversuche ersetzen kann.

Auch Technologien wie das Genetic Engineering – die gezielte Veränderung des Erbguts – werden so denkbar. „Solche Verfahren dürfen jedoch nur in einem ethisch vertretbaren und umweltverträglichen Rahmen und erst nach ausreichender Prüfung eingesetzt werden“, betont Astrin. Ein konkretes Beispiel: Wenn Tier- und Pflanzenarten die genetische Vielfalt fehlt, drohen sie auszusterben. Die Wissenschaft kann diese bedrohten Arten retten, indem sie deren Erbgut mit Genen aus der Vergangenheit „auffrischt“. Diese Gene stammen zum Beispiel von Artgenossen aus Populationen, die erst kürzlich durch den Menschen ausgelöscht wurden.

Eine weltweite Allianz für die Biodiversität

Der Vorläufer von GGBN begann 2007 als deutsches Forschungsprojekt. GGBN ist mittlerweile ein globales, demokratisch strukturiertes Netzwerk. Die Smithsonian Institution aus den USA war maßgeblich daran beteiligt, das Projekt auf die internationale Ebene auszuweiten. Heute steuern globale Gremien wie die Generalversammlung, das Executive Committee und verschiedene Task Forces das Netzwerk.

GGBN zählt inzwischen 120 Mitglieder aus über 40 Ländern, darunter vor allem Museen und Botanische Gärten. Zunehmend gehören auch Partner aus den biodiversitätsreichen Ländern des Globalen Südens dazu. Wer teilnehmen möchte, muss vor allem eine Bedingung erfüllen: Die Proben dürfen – wie auch beim LIB – in der Regel nicht kommerziell genutzt werden.

LIB leitet weltweites GGBN-Sekretariat

Seit Januar leitet das LIB das weltweite GGBN-Sekretariat. Als internationaler Servicepartner treibt das LIB die gemeinsame Mission voran, knüpft neue Kontakte, überwacht Prozesse und verhandelt mit anderen Netzwerken. Zudem unterstützt es das technische Büro am Botanischen Garten Berlin, welches das GGBN-Portal betreibt und den Datenaustausch zwischen den Partnerbiobanken koordiniert.

„Durch die Kooperation kann das LIB das globale Netzwerk aktiv mitgestalten und die eigene Biobank kontinuierlich professionalisieren“, erläutert Astrin die Bedeutung für das LIB. „Zudem erfährt das Institut von jüngsten Entwicklungen aus erster Hand und gestaltet neueste Trends in der Forschung aktiv mit.“

Mit dem Umzug der Biobank in das neue LIB-Gebäude in Bonn-Poppelsdorf sind hochmoderne Labore entstanden - unter anderem Zellkultur- und Zytogenetik-Labore. Außerdem wurde die Lagerung komplett auf flüssigen Stickstoff umgestellt. Mit dieser State-Of-The-Art-Infrastruktur positioniert sich das LIB international als starker Partner und trägt entscheidend zu innovativer Biodiversitätsforschung und -sammlung bei.

Gemeinsame Erfolge und die Frage der Finanzierung

GGBN hat einen dauerhaften digitalen Datenhub geschaffen. Das Netzwerk gibt Standards, Handbücher, Guidelines und Empfehlungen heraus, die in der Biobanken-Gemeinschaft intensiv genutzt werden – unter anderem über einen umfangreichen Dokumentenserver. GGBN bringt die Community der Biodiversitätsbiobanken zusammen, verleiht ihr eine Stimme und realisiert gemeinsame Projekte. Regelmäßige globale Tagungen und Online-Workshops wie die jüngste „GGBN Open Hour“ zum Thema Zellkulturen fördern den kontinuierlichen Wissensaustausch.

Internationale Netzwerke benötigen jedoch eine dauerhafte Absicherung. Aktuell suchen das LIB und der Botanische Garten Berlin nach einer tragfähigen Lösung, um die Finanzierung der Sekretariate für die nächste Amtszeit zu sichern.

Bild eines Kryotanks
Das moderne Kryolager des LIB
Ein Kyotank
In den Kryotanks lagern die Proben in flüssigem Stickstoff bei -190 °C
Bild eines Kryotanks
Das moderne Kryolager des LIB
Ein Kyotank
In den Kryotanks lagern die Proben in flüssigem Stickstoff bei -190 °C

Wissenschaftliche Ansprechperson

Dr. Jonas Astrin

  • Sektionsleitung
  • Biobank-Kurator

Tel.: +49 228 9122 357
E-Mail: j.astrin@leibniz-lib.de

Pressekontakt

Dr. Anika Busch

  • Referentin für Kommunikation und digitale Medien
  • Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit beim Projekt FörTax

Tel.: +49 228 9122 380
E-Mail: a.busch@leibniz-lib.de

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