Das einzigartige Citizen-Farmer-Science-Projekt „Naturpositive Landwirtschaft” (NaPA) zeigt, wie wirksamer Naturschutz in der Landwirtschaft funktioniert. Viele Landwirtinnen und Landwirte möchten aktiv Biodiversität auf ihren Feldern fördern. Mit einfachen Maßnahmen wie Blühstreifen kann ihnen das gelingen - unabhängig von Anbausystem und Standort und bei gleichbleibendem Einkommen.
Um unsere Nahrungsproduktion langfristig zu sichern, müssen wir Biodiversität erhalten. Da über die Hälfte der deutschen Fläche landwirtschaftlich genutzt wird, reicht es nicht aus, Artenschutz nur in Schutzgebiete auszulagern. Stattdessen müssen ökologische Ziele und wirtschaftliche Interessen in der landwirtschaftlichen Praxis fest zusammengehören.
Dass dies gelingen kann, zeigt das Projekt NaPA. Zwischen 2020 und 2024 untersuchten Fachleute des LIB gemeinsam mit Industriepartnern und Landwirtinnen und Landwirten, wie Schutzmaßnahmen in der Praxis wirken. Das Besondere: Die gemeinsame Forschung fand direkt auf der Fläche von 19 konventionell und biologisch wirtschaftenden Betrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.
Die Ergebnisse machen Mut: Selbst auf intensiv genutzten Flächen gibt es eine überraschende Vielfalt. Das Team erfasste 270.000 Tiere und wies mittels DNA-Analysen rund 2.600 Insektenarten nach. „Das Besondere ist, dass in dem Projekt nicht nur wir Forschende Fragen gestellt haben, sondern auch die Landwirtinnen und Landwirte“, erklärt Prof. Christoph Scherber vom LIB. „Gemeinsam haben wir Lösungen gefunden, die in der Praxis funktionieren.“
Blühstreifen erhöhen die Biodiversität auf den Feldern
Ein zentrales Ergebnis lautet: Blühstreifen wirken zuverlässig – unabhängig von Standort und Anbaumethode. Felder mit Blühstreifen wiesen im Schnitt 50 Prozent mehr Biomasse auf als herkömmliche Flächen. Besonders an den Rändern zeigte sich der Effekt: Während die Forschenden auf Kontrollflächen im Schnitt 126 Arten entdeckten, waren es an den Blühstreifen 159 Arten.
Von den Blühstreifen profitierten im Projekt vor allem Laufkäfer, Spinnen und Kurzflügelkäfer. Sie arbeiten auf dem Feld als biologische Schädlingsbekämpfer. Gleichzeitig vermehrten sich wichtige Zersetzer wie Springschwänze und Milben im Boden nachweislich. Das hat positive Auswirkungen auf die biologische Aktivität und verbessert langfristig die Bodenqualität – ein echter Gewinn für den Anbau.
Rahmenbedingungen entscheiden über die Akzeptanz
Dass das Monitoring im NaPA-Projekt flächendeckend möglich war, liegt nicht zuletzt am technologischen Fortschritt. Dank KI-gestützter Analyse der Bodenfauna schrumpfte der Untersuchungsaufwand gegenüber früheren Projekten massiv. Hinzu kamen automatisierte Akustik-Systeme, die 117 Vogelarten identifizierten, von denen 15 exklusiv in den Blühstreifen gefunden wurden.
Getragen wurde dieser Erfolg vom enormen Engagement der Landwirtinnen und Landwirte, die das Projekt von Beginn an aktiv mitgestalteten und so den Praxisbezug sicherten. Sie steuerten über 10.000 Proben für wissenschaftliche Untersuchungen selbst bei. Das zeigt: Die Bereitschaft für Artenschutz ist riesig. Doch damit die Maßnahmen Schule machen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. „Was wir als Forscherinnen und Forscher sehr deutlich gemerkt haben: Die Bereitschaft in der Landwirtschaft zur Förderung von Biodiversität auf dem Acker ist da”, sagt LIB-Forscherin Vera Prenzel. „Es muss möglichst einfach, unbürokratisch und gut in den Betriebsablauf integrierbar sein, dann werden Maßnahmen gerne umgesetzt.”
Viele Landwirtinnen und Landwirte motivierte der Austausch im Projekt so sehr, dass sie aus eigener Motivation sogar noch zusätzliche Schutzstreifen für Wildkatzen oder Rebhühner anlegten, Mischfruchtanbau einführten oder Maßnahmen der schonenden Bodenbearbeitung und -verbesserung umsetzten. Das Projekt beweist: Wenn Naturschutz wirtschaftlich tragbar und die unternehmerische Freiheit erhalten bleibt, springt der Funke über. Landwirt Hans-Heinrich Grünhagen drückt es so aus: „Freiheit ist Zufriedenheit – und nur wer frei wirtschaften kann, macht langfristig mit.”
Zum Abschlussbericht des NaPA-Projekts auf naturpositiv.de.
Wissenschaftliche Ansprechperson
- Leitung Zentrum für Biodiversitätsmonitoring und Naturschutzforschung (zbm)
- Stellvertretender LIB-Generaldirektor am Standort Bonn
Tel.: +49 228 9122 450
E-Mail: c.scherber@leibniz-lib.de
Pressekontakt
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