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04.06.2026

Verborgene Vielfalt in der Tiefsee

Neue Familie ungewöhnlicher Ruderfußkrebse im Nordatlantik entdeckt
Schwarz-weiße wissenschaftliche Linienzeichnung von Thalassodoron bathyale mit seitlicher Ansicht des Habitus, segmentierter perioraler Anhängsel, vorderem Kopfbereich und detaillierten Ansichten verschiedener Körperanhänge.
News Forschung Museum der Natur Hamburg

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Dr. Nancy Mercado Salas vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) hat eine neue Familie von Ruderfußkrebsen (Copepoda) beschrieben. Die Entdeckung stammt aus mehr als 2.500 Metern Tiefe im Irminger Becken südöstlich von Grönland und eröffnet neue Einblicke in die Evolution einer bislang wenig verstandenen Tiergruppe.

Die sogenannten Monstrilloida gelten als eine der ungewöhnlichsten Gruppen mariner Ruderfußkrebse. Ihre Larven leben parasitisch in anderen Meeresorganismen, während die erwachsenen Tiere frei im Wasser schwimmen und keine Nahrung aufnehmen. Aufgrund ihrer besonderen Anatomie – ihnen fehlen unter anderem die für Krebstiere typischen Antennen und Mundwerkzeuge – ist ihre stammesgeschichtliche Einordnung seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.

Seit 1852 war innerhalb der Ordnung Monstrilloida lediglich eine einzige Familie bekannt: die Monstrillidae. Die nun beschriebene Familie Thalassodoridae stellt daher eine außergewöhnliche Erweiterung des bekannten Stammbaums dieser Tiergruppe dar. Grundlage der Beschreibung waren sowohl detaillierte morphologische Untersuchungen als auch genetische Analysen.

Das einzige bislang bekannte Exemplar wurde in einer Tiefe von 2.537 Metern gesammelt. Es weist mehrere Merkmale auf, die sich deutlich von allen bisher bekannten Monstrilloiden unterscheiden. Dazu gehören außergewöhnlich lange, nach hinten gerichtete Antennen sowie bislang unbekannte Körperstrukturen, die neue Hinweise auf die Evolution und Lebensweise dieser Tiere liefern könnten.

„Die Entdeckung der neuen Familie Thalassodoridae zeigt, dass die Tiefsee der Ozeane noch immer Lebensformen beherbergt, die der Wissenschaft bislang unbekannt sind“, sagt Dr. Nancy Mercado Salas vom LIB. „Sie eröffnet uns zudem neue Perspektiven auf die Biologie, Morphologie und Evolution dieser außergewöhnlichen Gruppe von Ruderfußkrebsen.“

Auch der wissenschaftliche Name verweist auf die Besonderheit des Fundes: Die neu beschriebene Art Thalassodoron bathyale bedeutet sinngemäß „Geschenk aus der Tiefsee“ – ein Hinweis auf die unerwartete Entdeckung dieses außergewöhnlichen Krebstiers.

An der Studie waren Forschende aus Deutschland, Italien und Mexiko beteiligt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PeerJ veröffentlicht.

Publikation

Suárez-Morales, E., Martínez, A., Martinez Arbizu, P., Khodami, S., Mercado-Salas, N. F. et al. (2026): A new family of the order Monstrilloida (Copepoda) from deep waters of the North Atlantic supported by morphological and genetic evidence. PeerJ 14. DOI: 10.7717/peerj.21176.

Vier schwarz-weiße Mikroskopaufnahmen von Thalassodoron bathyale-Beinexopoden 1 bis 4 mit Pfeilspitzen, die Einkerbungen und einen verdickten, behaarten Ring an der apikalen Borste markieren.
Mikroskopaufnahmen von Thalassodoron bathyale-Beinexopoden
CLSM-Aufnahmen des Holotyps von Thalassodoron bathyale zeigen (A) den Urosom, (B, C, D) die Antennule mit Segmenten und Anhängen, Maßstabsbalken 200 µm
CLSM-Aufnahmen des Holotyps von Thalassodoron bathyale
Vier schwarz-weiße Mikroskopaufnahmen von Thalassodoron bathyale-Beinexopoden 1 bis 4 mit Pfeilspitzen, die Einkerbungen und einen verdickten, behaarten Ring an der apikalen Borste markieren.
Mikroskopaufnahmen von Thalassodoron bathyale-Beinexopoden
CLSM-Aufnahmen des Holotyps von Thalassodoron bathyale zeigen (A) den Urosom, (B, C, D) die Antennule mit Segmenten und Anhängen, Maßstabsbalken 200 µm
CLSM-Aufnahmen des Holotyps von Thalassodoron bathyale

Wissenschaftliche Ansprechperson

Pressekontakt

Dr. Franziska Ahnert-Michel

  • Referentin crossmediale Kommunikation

Tel.: +49 40 238317 909
E-Mail: f.ahnert-michel@leibniz-lib.de

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