Die Galapagos-Inseln sind für viele der Inbegriff einer paradiesischen Natur mit besonderen Tierarten. Eine Studie unter Beteiligung des LIB zeigt jetzt, wie ein internationales Netzwerk illegal mit Leguanen handelt, die nur auf dieser Inselgruppe vorkommen. So können die lebenden Tiere bis nach Europa gelangen. Dr. Mark Auliya vom LIB, der sich seit mehr als 25 Jahren dem wissenschaftlichen Artenschutz verschrieben hat, erklärt im Interview, warum dieser Fall nur ein Beispiel für ein globales Problem ist und was man tun könnte, um den Handel mit geschützten Arten einzudämmen.
LIB: Herr Auliya, was konnten Sie in der aktuellen Studie zeigen?
Mark Auliya: Wir haben in einem internationalen Team über Jahre den Handel mit Leguan-Arten beobachtet, die nur auf den Galapagos-Inseln heimisch sind. Durch akribische Recherche konnten wir belegen, dass diese Leguane von einem internationalen Händler-Netzwerk in viele Teile der Welt transportiert und über mehrere Stationen weiterverkauft werden. Das alles ohne eine seriöse Dokumentation und obwohl die Tiere nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) geschützt sind und ihr Handel strengen Regeln unterliegt. Wir konnten zeigen, dass wild gefangene Galapagos-Leguane als in Gefangenschaft gezüchtete Tiere in den internationalen Handel eingeschleust wurden.
LIB: Auf welchem Weg konnten die Tiere denn in den Handel gelangen?
Mark Auliya: Wir können nicht im Detail nachvollziehen, wie einzelne Tiere die Galapagos-Inseln verlassen haben. Aber wir konnten zeigen, wie Galapagos-Leguane aus verschiedenen anderen Ländern heraus gehandelt wurden. Es wurden von Ländern Exportgenehmigungen ausgestellt, in denen die Arten nicht vorkommen – und das ohne Überprüfung der legalen Herkunft der Tiere. So wurde der Handel global organisiert. Es reicht über Zentralafrika bis nach Europa, nämlich in die Schweiz. Das hätte man so nicht erwartet. Die Herkunft der Leguane wurde über die verschiedenen Stationen und Exportwege praktisch „legal gewaschen“. Denn es wird irgendwann schwierig nachzuvollziehen sein, woher ein Tier ursprünglich kam. Dieser Fall der Leguane steht stellvertretend für viele andere, in denen national geschützte und international regulierte Arten illegal gehandelt werden.
LIB: Wie stark sind seltene Arten, wie diese Leguane, durch den illegalen Wildtierhandel gefährdet?
Mark Auliya: Der Handel ist nie die einzige Bedrohung. Die Arten sind durch viele Faktoren gefährdet: Ihre Lebensräume werden zerstört, der Klimawandel verändert die Temperaturen, der Meeresspiegel steigt. Außerdem können eingeschleppte, invasive Arten besonders auf Inseln zum Problem für die dort heimischen Tierarten werden. Aber gerade bei sehr seltenen Arten, die nur in einem kleinen Gebiet leben, ist auch der Handel eine große Gefahr. Solche sogenannten Endemiten können schneller weggesammelt werden, als ihr Lebensraum zerstört wird. Und – das muss man sich vor Augen halten – die Gefahr ist dann besonders groß, wenn man mit den Tieren viel Geld verdienen kann. Wir haben Reptilienarten, die über 25.000 Euro auf dem Schwarzmarkt bringen. Solche Summen helfen natürlich, jeglichen illegalen Handel zu mobilisieren.
LIB: Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit illegalem Wildtierhandel. Was war für Sie an diesem Fall das Besondere?
Mark Auliya: Für jeden, der sich mit Artenvielfalt beschäftigt, sind die Galapagos-Inseln etwas Besonderes. Sie sind das Labor der Evolution, das viele wegen der Darwin-Finken schon aus der Schule kennen. Jetzt kommt es dazu, dass eine Art dort herausgenommen wird. Schon das ist etwas, das diesen Fall besonders macht. Und was auch interessant war: Die Händler haben ihre Reisen teilweise in den sozialen Medien dokumentiert. Sie haben so praktisch der Öffentlichkeit präsentiert, wo sie unterwegs waren.
LIB: Wie wichtig sind solche Informationen aus den sozialen Medien, um den Wildtierhandel zu verfolgen?
Mark Auliya: Die Inhalte in den sozialen Medien reichen oft nicht aus, um zum Beispiel Ermittlungen einzuleiten, aber sie können Hinweise sein und auch die Behörden alarmieren. Sie geben einen Einblick in das Ausmaß, den Zeitrahmen und die Art des illegalen Handels mit geschützten Arten. Deshalb haben einige Forschende aus unserer Arbeitsgruppe in sozialen Netzwerken gezielt nach Informationen und Fotos von Galapagos-Meeres- und Landleguanen gesucht und diese auch gefunden.
LIB: Was sollte ihrer Meinung nach geschehen, um den illegalen Handel mit Wildtieren einzudämmen und seltene Arten damit besser zu schützen?
Mark Auliya: Ein Problem, das wir seit dem Inkrafttreten der Konvention des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) 1975 haben, ist, dass CITES oftmals nur Empfehlungen an die Mitgliedstaaten aussprechen kann, was je nach Fall und Art Jahre dauern kann. In Härtefällen kann allerdings der Handel auch temporär ausgesetzt werden. Das Sekretariat der Konvention sollte enger mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, wenn es um die Umsetzung und Kontrolle von solchen Exporten geht. Exportländer haben oft eine schwache Durchsetzung der Gesetze. Ich hoffe, dass es in Zukunft mehr Kapazitäten und mehr Personal an den richtigen Stellen gibt, die sich der Sache annehmen. Beim nächsten Treffen der CITES-Vertragsstaaten, der COP20 in Usbekistan im November 2025, sollte das Problem des illegalen Wildtierhandels mit dem Fokus unserer aktuellen Studie weiterhin thematisiert werden. Der illegale Handel ist längst in der Dokumentation von CITES, aber es geht immer darum, wie gut die Bestimmungen umgesetzt werden. Als Forschende können wir solche illegalen Aktivitäten für relevante Behörden und diverse Interessengruppen kommunizieren und bestenfalls Lösungsvorschläge anbieten.
LIB: Würde es dem Artenschutz aus ihrer Sicht auch helfen, den Handel von weiteren Arten stärker zu beschränken? Würde das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES dazu die Möglichkeit geben?
Mark Auliya: Ja. Nach CITES gibt es verschiedene Stufen, wie stark der Handel einer Tierart eingeschränkt sein kann. Es gibt insgesamt drei Anhänge, die den Handel von über 41.000 Arten international regulieren. Die strengsten Bestimmungen gibt es für die Arten auf dem sogenannten Anhang I. Auch diese Einstufung kann einen Schmuggel der Arten nicht völlig verhindern,illegalen Handel gibt es bei Arten aus allen drei Anhängen. Aber für Arten, die im Anhang I gelistet sind, gibt es deutlich weniger Fälle. Hier ist ein kommerzieller Handel illegal. Personen, von denen Anhang I Arten beschlagnahmt werden, müssen mit einem höheren Strafmaß rechnen. Wenn ich eine Art, die im Anhang I gelistet ist, versuche illegal der Natur zu entnehmen und zu handeln, ist deutlich mehr kriminelle Energie notwendig. Welche Art auf welchem Anhang steht, entscheiden aber nur die Mitgliedsstaaten. Auch deshalb ist das nächste Treffen, die COP 20 im kommenden November, so wichtig.
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