Unser Schatz des Monats schreibt Klimageschichte: eine fossile Foraminifere

Für die Paläoklimarekonstruktion spielen Foraminiferen eine sehr wichtige Rolle. © LIB

 

Ein Prachtstück seiner Art ist unser Schatz des Monats. Bei dem Neuling in der Geologisch-Paläontologischen Sammlung handelt es sich um eine Großforaminifere (wörtlich „Lochträger“) der Art Nummulites millecaput. Das Exemplar ist ein fossiler Zeitzeuge aus dem Eozän, der Klimageschichte schreibt.

Foraminiferen sind überwiegend winzige, einzellige Organismen, die kammerähnliche Gehäuse bilden. Sie ähneln ein wenig Muscheln am Stand, sind jedoch mit dem bloßen Auge meinst nicht zu erkennen.

Im Schnitt erreichen sie eine Größe von 200 bis 500 Mikrometern; unsere Großforaminifere hingegen misst eine stattliche Größe von etwa fünf Zentimetern. Für die paläontologische Forschung spielen insbesondere die bei vielen Arten aus Kalzit aufgebauten Gehäuse eine große Rolle. Als Fossilien können sie – wie unser Schatz – Jahrmillionen in gutem Zustand überstehen.

Die meisten Arten der Foraminiferen sind an bestimmte Umweltbedingungen angepasst. Forschende können sie so für Klima- und Ökosystemrekonstruktionen nutzen. Chemische Untersuchungen, die an den Gehäusen durchgeführt werden können, lassen zusätzliche Rückschlüsse z.B. auf die Temperatur urzeitlicher Meere zu. Für die Paläoklimarekonstruktion spielen somit Foraminiferen eine sehr wichtige Rolle, wie in der aktuellen Sonderausstellung „Eozän – Am Beginn unserer Welt“ im Zoologischen Museum, Hamburg, zu sehen ist. Nummulites millecaput lebte im Eozän und ist daher ein Zeitzeuge des Zeitalters, das die Ausstellung beschreibt.

Großforaminiferen wie unser Schatz des Monats sind besonders faszinierend, weil sie für Einzeller einen erstaunlichen Umfang erreichen. Die Gattung Nummulites entstand vor rund 66 Millionen Jahren. Als Fossil findet man sie in großen Mengen in Versteinerungen früherer Flachmeere. Ein interessantes Beispiel dafür sind die Pyramiden von Gizeh, die überwiegend aus Nummuliten-Gestein bestehen. Die großen Einzeller haben als „Linsensteine“ auch im deutschen Sprachraum Einzug gefunden und sind Grundlage einiger Legenden.

Einige Exemplare der Art Nummulites millecaput wurden von Prof. Eva Pfeiffer (Institut für Bodenkunde UHH) im Rahmen einer Geländeveranstaltung im Gebiet von Bad Adelholzen (Bayern) gesammelt. Ein besonders prachtvolles Stück wurde jetzt von Prof. Gerhard Schmiedl (Institut für Geologie UHH) der taxonomischen Sammlung im Geologisch-Paläontologischen Museum des LIB-Hamburg übergeben.

Kontakt:

Dr. Ulrich Kotthoff
Leitung Geologisch-Paläontologisches Museum
Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels – Standort Hamburg
Tel.: +49 40 42838-5009
E-Mail: ulrich.kotthoff@uni-hamburg.de

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