Ein Kleid zum Beeindrucken und zum Überleben?


Ein Federkleid in extremer Nahaufnahme durch die Linse eines Mikroskops. © LIB, N. Friedman

 

Unsere Tierwelt ist bunt und wer genau hinschaut, erkennt, dass Farben der Felle, Häute oder Federn sich besonders häufig an bestimmten Körperregionen unterscheiden. Manche haben ein dunkles Muster auf dem Rücken, aber einen hellen Bauch. Andere Tiere sind fast komplett einfarbig und nur ein bestimmtes Merkmal – wie die Füße oder Schnabel – hebt sich farblich ab. Natürlich gibt es dieses Phänomen auch bei den wohl buntesten Lebewesen des Tierreichs – den Vögeln. Aber welche Funktionen erklären die Evolution dieser Farbmuster?

Dr. Nicholas Friedman, Leiter der ornithologischen Sektion am Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB), hat diese Frage wissenschaftlich ergründet und seine Erkenntnisse kürzlich in einer Studie in „American Naturalist“ veröffentlicht. Hierfür untersuchte er über 200 verschiedene Vogelarten – hauptsächlich Honigfresser in Australien – und analysierte die Farben ihres Gefieders. „Wir wissen bereits, dass Tiere oft so gefärbt sind, dass sie an ihre Umgebung angepasst sind. Für diese Studie haben wir verschiedene Satellitenbilder der Lebensräume gesammelt und mit den Federn der dort gefundenen Vögel verglichen“, erklärt Friedman.

Um die Vögel systematisch zu vergleichen, verwendeten die Forscher ein sogenanntes Spektrometer, um die Farbe der Federn an verschiedenen Teilen der Vogelkörper zu messen. Schon in vorherigen Studien sei ihnen aufgefallen, dass sich die farbliche Entwicklung der jeweiligen Körperregionen bei Vögeln unterscheidet. Zudem war schon vor der Untersuchung bekannt, dass sich die Farben der Flügel langsamer entwickelten als die auf dem Rücken oder Bauch. „In dieser Studie wollten wir genauer herausfinden, ob sich alle Körperregionen gleichzeitig oder unabhängig voneinander entwickeln. Zudem konnten wir feststellen, dass die Farben auf den Rücken- und Flügelfedern hauptsächlich als Tarnung dienen“, sagt Friedman.

Gerade die Honigfresser hätten häufig braune Flügel, während unter den verschiedenen Arten auch gelbe Akzente an den Wangen oder dem Schwanz vorkämen. Während die Rückenfarbe stark von der Umgebung der Lebensumgebung beeinflusst würde, sei es schwierig bei der Bauchfärbung – die sich farblich am schnellsten entwickelt – ein gewisses Muster zu erkennen: „Wir gehen davon aus, dass die Färbung des Bauches mit dem Paarungs- oder Balzverhalten der Vögel eng zusammenhängt“, schätzt Friedman. Die Ergebnisse dieser Studie helfen dabei, besser zu verstehen, wie stark sich insgesamt die Vielfalt in den letzten 25 Millionen Jahren entwickelt hat und warum dies manchmal sogar notwendig sein kann, um für eine Art das Überleben zu sichern.

In künftigen Studien möchte Friedman gerne untersuchen, inwieweit sich die farbliche Entwicklung zwischen Weibchen und Männchen unterscheidet und wie gemeinsame Farbmuster bei Vögeln entstehen.

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