Schatz des Monats: Die Heideschrecke


© Thure Dalsgaard

 

Im 20. Jahrhundert galt unser Schatz des Monats in vielen Regionen bereits als ausgestorben: Nur in der Klietzer (Sachsen-Anhalt) und Lüneburger Heide haben sich auf Truppenübungs- und Schießplätzen kleine Populationen erhalten. Ein Team aus LIB-Forschenden um Martin Husemann und Oliver Hawlitschek haben die in Deutschland seltene Art näher erforscht: Sie möchten herausfinden, wie groß die genetische Vielfalt der heimischen Heideschrecke derzeit ist und ob deren Biodiversität im Laufe der Jahre durch das lokale Aussterben vieler Populationen abgenommen hat.

Sie legt ihre Eier an Bodenstellen mit schwacher Vegetation ab. Ihre Larven schlüpfen ab Mitte April und durchlaufen in ihrer Entwicklung sechs verschiedene Stadien. Nur die Männchen verfügen über Organe, mit denen sie den typischen Schreckengesang erzeugen können. Die ausgewachsen bis zu 27 Millimeter lange Heideschrecke kommt auch außerhalb Deutschlands in der Region zwischen dem Kaspischem und Schwarzen Meer vor. Hierzulande wird sie auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht bewertet.

Der Name lässt bereits vermuten: Unser Schatz des Monats bewohnt trockenwarme Heideflächen, die ihnen sowohl offene Bodenfläche zum Sonnen als auch hohe Gräser zum Singen bieten. Solche Gebiete werden in Deutschland allerdings immer seltener, weil sie entweder landwirtschaftlich intensiv bewirtschaftet oder aufgeforstet werden.

Kurioserweise sind die letzten bekannten Vorkommen der Heideschrecken bei uns auf militärischen Sicherheitsgeländen – zum Beispiel nahe Munster in der Lüneburger Heide. Dabei profitieren die Tiere von den Aktivitäten der Soldaten, die Teile der Vegetation durch ihre Waffenübungen niederbrennen: sie beschädigen damit den Moosteppich der Böden und schaffen so neue Flächen für die Eiablage der Schrecken.

Die genetischen Untersuchungen an unserem Schatz helfen dabei zu ermitteln, wie vielfältig die heimischen Populationen der Heideschrecke in Deutschland noch sind. Ein Team aus Forschenden um Martin Husemann, dem Leiter der Sektion Hemimetabola & Hymenoptera, entnimmt hierfür DNA-Proben von noch bestehenden Populationen und vergleicht deren Zusammensetzung mit denen von älteren Tieren in unseren wissenschaftlichen Sammlungen.

Die Proben werden in unserem Molekularlabor unter Leitung von Oliver Hawlitschek mit modernsten genomischen Verfahren analysiert. Die erhobenen Daten helfen dabei einzuschätzen, wie stark sich die einzelnen, noch bestehenden Populationen genetisch unterscheiden, um daraus wichtige Informationen für Nachzuchtprogramme abzuleiten.

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