LIB-Forscher schlägt Abwägung von Maßnahmen für effizienteren Artenschutz vor

Szenen einer Umsiedlung in Südafrika: Hier wird eine ganze Herde von Nashörnern mit einem Helikopter in einen neuen Lebensraum geflogen. © greenrenaissance.co.za

 

Das Artensterben verlangsamen oder aufhalten: In einem Perspektivartikel diskutiert Prof. Dr. Bernhard Hausdorf Konflikte zwischen Artenschutzzielen und den dazu notwendigen Maßnahmen. Um Artenschutz effektiver zu gestalten, fordert er eine bewusstere Abwägung zwischen verschiedenen Maßnahmen des Artenschutzes. Dabei muss auch erwogen werden, ob der Schutz von Lebensräumen effizienter ist als Schutzmaßnahmen zugunsten einzelner Arten.

Die Artenvielfalt auf der Erde schwindet mehr und mehr. Dem Artenschutz stehen jedoch nur begrenzte Mittel zur Verfügung, um effiziente Arbeit zu leisten. Aus diesem Grund müssen die Maßnahmen gut abgewogen werden, in die Ressourcen investiert werden. In einem jüngst erschienen Artikel bespricht Bernhard Hausdorf, Leiter der Sektion Mollusken am LIB-Standort Hamburg, Perspektiven für den Artenschutz und zeigt mehrere Punkte auf, bei denen Kompromisse gesucht werden müssen, um Arten effektiver zu schützen.

Einerseits wird oft der Schutz von Populationen gefordert, die aufgrund geringer Populationsgröße und genetischer Vielfalt kaum überlebensfähig sind. Andererseits schlagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, die genetische Diversität von geografisch fragmentierten Populationen, die von Inzucht bedroht sind, durch den Transport von Individuen zu fördern. „Zum Teil wird nicht bedacht, ob es sich dabei um stark differenzierte Populationsgruppen, „werdende Arten“, handelt und ob diese auch ohne solche aufwändigen Maßnahmen überlebensfähig wären“, entgegnet Hausdorf.

Seiner Ansicht nach müssten vor allem drei Ziele beim Naturschutz stärker Beachtung finden: Es solle eine maximale Anzahl von Arten und differenzierten Populationsgruppen erhalten und deren Überlebensfähigkeit unter den aktuellen Umweltbedingungen berücksichtigt werden. Schließlich müsse auch die Evolutionsfähigkeit der Arten, die das langfristige Überleben unter sich ändernden Umweltbedingungen sichert, gewährleistet sein.

„Dafür sind leider auch Kompromisse notwendig: Mitunter müssen wir zwischen der Anzahl der zu schützenden Einheiten innerhalb von Arten und deren Populationsgröße sowie genetischer Vielfalt abwägen“, fasst Hausdorf zusammen. Darüber hinaus sei es auch erforderlich, abzuwägen, ob die Fitness von Populationen unter den derzeitigen Umweltbedingungen optimiert werden soll oder ob besser die Variabilität und damit auch die Fehlanpassung erhöht werden soll, um Populationen genetisch auf bevorstehende Änderungen von Umweltbedingungen vorzubereiten.

Die Verwendung der verfügbaren Mittel für die Ausweitung und Vernetzung von Schutzgebieten kann nachhaltiger und kosteneffizienter sein, als die gezielte Förderung des Austausches zwischen Populationen einiger weniger Arten. Daher fordert er: „Wenn wir ehrgeizige Ziele – wie den Schutz der Hälfte der Lebensräume an Land und im Meer – anstreben, müssen wir uns auf dieses Ziel fokussieren und nicht zu viele Ressourcen in den Schutz einzelner Arten investieren.“

Das ganzheitliche Modell des Artenschutzes von Bernhard Hausdorf ist in einem Perspektivartikels in der Zeitschrift „Biological Conservation“ erschienen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Bernhard Hausdorf
Sektionsleiter Mollusca
Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels – Standort Hamburg
Tel.: +49 40 42838-2284
E-Mail: hausdorf@zoologie.uni-hamburg.de

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