Lara-Sophie Dey gewinnt CETAF E-SCoRe Award

© LIB, Dey

 

Das CETAF verleiht LIB-Forscherin Lara-Sophie Dey den E-SCoRe Award, der jährlich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vergeben wird. Sie erhält im November in Wien den Preis für ihre Forschungsarbeit über die Gefleckte Schnarrschrecke. Ein Interview mit der Preisträgerin:

Wie ist das CETAF (Consortium of the European Taxonomic Facilities) auf Ihre Arbeit aufmerksam geworden?

Im März habe ich mich auf den Preis beworben, der europaweit ausgeschrieben war. Das CETAF ist ein Konsortium, dass sich innerhalb von Europa für die Erhaltung der Biodiversität einsetzt und die diesen Preis jedes Jahr an PhD-Studierende oder junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergibt. Eingereicht hatte ich eine Studie von 2021: “Analysis of geographic centrality and genetic diversity in the declining grasshopper species Bryodemella tuberculata (Orthoptera: Oedipodinae)”. Langer Titel, kürzerer Sinn: Wir haben uns den Aussterbeprozess der Gefleckten Schnarrschrecke in Zentraleuropa genauer angesehen und analysiert.

Worum geht es genau in der Studie?

Wir haben mitbekommen, dass die Gefleckte Schnarrschrecke in Zentraleuropa im 18. und 19. Jahrhundert dabei war auszusterben. Viele Habitate sind weggebrochen und wir haben überlegt:  Woran könnte das genau gelegen haben? Um das aufzuklären haben wir die ökologische Nische modelliert und dabei herausgefunden, dass eigentlich alle Standorte in Europa zumindest bezüglich ihres Klimas immer noch eine geeignete Lebensgrundlage für die Schrecke bieten. Woran könnte es also sonst gelegen haben, wenn nicht am Klimawandel? In der Lüneburger Heide haben wir hierzu eine interessante Geschichte gefunden: Hier wurde zu der Zeit viel Schnucken- und Heidelandwirtschaft betrieben. Da es schon zu damaliger Zeit günstigere Produkte auf dem Markt gab, orientierten sich die Bäuerinnen und Bauern um und fingen mit traditioneller Landwirtschaft an. So konnten wir zeitlich gut nachvollziehen, dass das Aussterben der Gefleckten Schnarrschrecke eng mit der Transformation der Heidelandschaft hin zum Ackerbau geknüpft gewesen ist. Zu dieser Zeit wurden die letzten Exemplare dort gefangen, die wir auch in unserer Sammlung im Museum der Natur Hamburg aufbewahren.

Als Preise gibt es die Möglichkeit, die eigene Forschung auf der nächsten Vorstandssitzung der CETAF vorzustellen, ein Partnerinstitut zu besuchen und ein Preisgeld von 1.000 Euro. Was genau haben Sie mit dem Gewinn vor?

Die Preisverleihung ist im November in Wien – das ist dann zugleich auch die Vorstandssitzung auf der ich meine Arbeit präsentiere. Ich würde sehr gerne das CETAF Institut in Madrid besuchen, falls das möglich ist. Ich arbeite intensiv mit den Ödlandschrecken und aus diesem Grund möchte ich mir zu diesen Tieren möglichst viel Typenmaterial anschauen. Ich war auch schon in vielen Museen in Europa und Asien unterwegs – in Madrid allerdings noch nicht. Von dem Preisgeld würde ich gerne mein Kameraequipment etwas aufbessern – das käme mir auch für den Besuch in Madrid zugute.

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Im letzten Monat konnte ich meine Promotion erfolgreich abschließen. Am LIB bin ich weiterhin als Technische Assistenz beschäftigt und werde ab dem 15. Juni vorläufige Leiterin des Molekularlabors. Wissenschaftlich möchte ich mich weiterhin mit der Gefleckten Schnarrschrecke beschäftigen. Kürzlich konnten wir zum Beispiel bei ihr das größte Genom nachweisen, das je in einem Insekt gefunden wurde.

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