Schatz des Monats: Eine seltene und kleine Riesin unter den Wespen


Hier im Bild riesengroß, aber in Wirklichkeit eher unauffällig klein: Unser Schatz des Monats ist etwa halb so groß wie eine Erbse. © LIB, Vogel

 

Seit 2013 schlummerte dieses Tier unentdeckt in den Sammlungen des Museum Koenig Bonn. Es ist ein weibliches Exemplar der Art Aspicera forshzarai. Einen deutschen Namen gibt es bisher nicht, da diese, wie auch nahezu sämtlichen nah verwandten Arten, bislang nur sehr spärlich untersucht wurden. Erst mit dem Start der dritten Phase des Erfolgsprojekts „German Barcode of Life“ (GBOL) im Sommer 2020 ist die Diversität dieser Familie parasitoider Wespen in Deutschland wieder in den Fokus gerückt.

Unser Schatz des Monats gehört zur Familie der sogenannten Figitiden. Während die meisten Tiere innerhalb der Familie jedoch eine Körperlänge von durchschnittlich zwei Millimetern haben, sind die Aspicerinen, also Aspicera forshzarai und seine nahen Verwandten, mit um die fünf Millimeter Körpergröße wahre Riesen. Im Vergleich zu anderen, auffälligeren Insekten ist das natürlich immer noch relativ klein. Verwunderlich ist aber, weshalb diese Art erst im Jahre 2013 wissenschaftlich beschrieben wurde.

Vor allem liegt das wohl an der Seltenheit der Tiere. In den Museen Europas gibt es nur vereinzelte Tiere der Gattung Aspicera – wenn überhaupt. Wenn wir dann die Arten voneinander abgrenzen möchten, haben wir nicht viel zu vergleichen, um abschließend eine Meinung über die Artgrenzen zu bilden. Außerdem gibt es schlichtweg kaum Expertinnen und Experten auf der Welt, die sich mit der biologischen Vielfalt der Figitiden auseinandersetzen. Da sammelt sich schnell ein Haufen Arbeit an, denn es werden erst solche Gruppen bearbeitet, von denen ausreichend viel Material vorhanden ist, um die innerartliche Variabilität der Tiere besser abschätzen zu können.

Das Tier ist aber nicht nur wegen ihrer Seltenheit und Schönheit besonders, dieses Exemplar ist auch der Erstnachweis für das Bundesland Hessen. Die Beschreibung der Art basiert auf altem Museumsmaterial, welches unter Anderem aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen stammt. Nehmen wir die Exemplare aus anderen Ländern mit dazu, ist unser Schatz des Monats der neueste Nachweis dieser Art seit 1960 in Europa.

Die Aspicerinen gelten als Parasitoide von Schwebfliegen-Larven. Das heißt, dass sie für gewöhnlich ihre Eier in die Larven der Schwebfliegen legen, damit daraus ihre eigenen Larven schlüpfen, die wiederum die Wirtslarve vertilgen und gegen Ende ihrer Entwicklung diese auch töten. Für unsere Wespe hingegen wird ein ungewöhnlicher Wirt genannt, die Larven der roten Buschhornblattwespe (Neodiprion sertifer). Da die Wirtsangaben für die meisten Parasitoide im Allgemeinen unbekannt sind und eine Erwähnung des Wirts auf einem Begleitetikett an einem Tier kaum nachprüfbar ist, lässt sich diese Angabe jedoch nur sehr schwer auf Richtigkeit überprüfen.

Durch das „German Barcode of Life“ (GBOL) Projekt wieder in den Fokus gerückt: Aspicera forshzarai. © LIB, Vogel
Unser Schatz wurde bislang von der Fachwelt nur spärlich untersucht. © LIB, Vogel

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