Einzigartiger Meteorit „Elmshorn“ nun im Museum der Natur Hamburg zu sehen

Meteoritenforscher Dr. Stefan Peters sieht im Meteoriten „Elmshorn“ eine außergewöhnliche Ergänzung der mineralogischen Sammlung im Museum der Natur Hamburg. „Elmshorn“ trägt wesentlich zu unserem Verständnis des frühen Sonnensystems bei. © LIB, B. Pichelmann

 

Es ist ein Meteorit der Superlative, der am 25. April 2023 vom Himmel in Elmshorn bei Hamburg stürzte: Aus wissenschaftlicher wie kulturhistorischer Sicht repräsentiert er ein weltweit einzigartiges Stück. Zudem ist es mit 3,7 Kilogramm die größte intakte Hauptmasse eines Meteoriten, die in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland niederfiel. „Elmshorn“, so der offizielle Name, wird genau ein Jahr nach seinem Fall samt Entstehungs- und Fundgeschichte in der mineralogischen Ausstellung des Museums der Natur Hamburg präsentiert.

Videoaufnahme des Meteoriteneinsturzes:

Audioaufnahme des Meteoriteneinsturzes:

 

„Dieser Meteorit ist eine große Bereicherung für unser Museum“, beschreibt Dr. Stefan Peters, Leiter der Mineralogie im Museum der Natur Hamburg, den Neuzugang. Der Geowissenschaftler forscht seit 15 Jahren zu Meteoriten und erklärt: „Elmshorn“ trägt wesentlich zu unserem Verständnis des frühen Sonnensystems bei und ist daher eine außergewöhnliche Ergänzung unserer Sammlung. Es ist weltweit der erste Meteorit aus Mischgestein, der sich aus diesen beiden bestimmten Asteroiden zusammensetzt. Die umfassende Dokumentation des Falls schreibt zugleich ein Stück norddeutsche Geschichte. Es ist ein großer Erfolg, dass wir ein derart historisches Objekt der Öffentlichkeit nur wenige Kilometer vom Einschlagsort entfernt präsentieren können.“

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank: „Mit dem Meteorit ‚Elmshorn‘ fiel ein Stück Wissenschaft zum Anfassen vom Himmel. Er eröffnet uns neue und faszinierende Einblicke in den Ursprung unseres Sonnensystems. Und dieser kosmische Fund zeigt auch, wie schnell und präzise wissenschaftliche Erkenntnisse über seine Entstehung möglich sind. Ich freue mich sehr, dass dieses einmalige Fundstück für alle neugierigen und wissenschaftsbegeisterten Hamburgerinnen und Hamburger nun im Museum der Natur zu sehen ist.“

Nachdem die internationale Gesellschaft für Meteoriten das Objekt anerkannt und „Elmshorn“ benannt hat, konnte das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels mit großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder den Meteoriten für das Museum der Natur erwerben. Prof. Dr. Frank Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „Der in vielerlei Hinsicht einzigartige Meteoritenfall ‚Elmshorn‘ erlaubt möglicherweise neue Erkenntnisse zum Verständnis des frühen Sonnensystems. Ich freue mich sehr, dass es mit der Unterstützung der Kulturstiftung der Länder gelungen ist, diese wertvollen naturhistorischen Objekte für die Wissenschaft zu sichern und der Öffentlichkeit in der Region ihres Fundortes zugänglich zu machen.“

In Elmshorn in Schleswig-Holstein, knapp 30 Kilometer vom Museum der Natur Hamburg entfernt, stürzte der Meteorit auf ein Privatgrundstück. Die Dokumentation des Falls ist in Deutschland einmalig: Eine Überwachungskamera zeichnete den Einschlag akustisch auf. Kurz zuvor, als das Gestein durch die Erdatmosphäre flog, war über Norddeutschland und den Niederlanden eine Leuchterscheinung, ein Meteor, am Himmel zu sehen. Beim Aufprall hinterließ der Meteorit einen Krater von etwa 40 Zentimetern Tiefe. Diese Aufnahmen vom Weg des Meteoriten durch die Atmosphäre hatte eine Meteorkamera des AllSky7-Netzwerks in Bremerhaven aufgenommen.

Ein Team von Forschenden, in dem auch Museumsleiter Stefan Peters vonseiten des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) vertreten war, fanden bei mineralogischen und geochemischen Analysen heraus, dass der Meteorit Trümmer von mindestens zwei verschiedenen Asteroiden enthält. Daraus schlossen sie, dass auf ihrem Weg um die Sonne offenbar zwei Asteroiden zusammengeprallt waren und zerstört wurden. Bei der Kollision vermischten sich Bruchstücke aus dem Inneren und von der Oberfläche der beiden Asteroiden und verschmolzen zum Mutterkörper des Meteoriten „Elmshorn“.

Somit reicht seine Geschichte 4,5 Milliarden Jahre in die Anfänge unseres Sonnensystems zurück. Die ursprünglich aus Staubkörnern geformten Asteroiden bildeten später Gesteinsplaneten wie unsere Erde. Einige Asteroiden blieben übrig und umkreisen noch heute zwischen Mars und Jupiter die Sonne. „Elmshorn“ gehört zu den sogenannten Chondriten, also zu den Meteoriten, die chemisch ähnlich zusammengesetzt sind wie die Sonne.

„Der Meteorit hat Informationen über diese große Kollision der beiden Asteroiden gespeichert“, begeistert sich Stefan Peters. „Er verbindet zwei Gruppen von Meteoriten, von denen derzeit weltweit einige vom Himmel fallen. Aber es ist das erste Mal, dass wir ein Mischgestein dieser zwei Asteroiden finden. Wir haben in unserer Sammlung Material der beiden Mutterkörper und nun auch die Verbindung. Das ist eine tolle Ergänzung unserer Sammlung.“

Mit etwa 1.000 Exemplaren besitzt das Museum der Natur Hamburg eine große Meteoritensammlung, dazu gehören Meteoriten vom Mars und auch ein mächtiger 424 Kilogramm schwerer Eisenmeteorit. Die Stücke stammen von Fundorten weltweit, etliche auch aus Deutschland.

Der Meteorit „Elmshorn“ wird erstmals in der Langen Nacht der Museen am 27. April der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Kontakt:
Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB)
Museum der Natur Hamburg – Mineralogie
Dr. Stefan Peters
Leitung Mineralogie
s.peters@leibniz-lib.de

Aus wissenschaftlicher wie kulturhistorischer Sicht repräsentiert der Meteorit „Elmshorn“ ein weltweit einzigartiges Stück. Mit 3,7 Kilogramm ist es die größte intakte Hauptmasse eines Meteoriten, die in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland niederfiel. © LIB, B. Pichelmann

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