Unser Schatz des Monats: Eine Sammlung aus der Unterwelt

   
Amphipode, Lateralansicht – Niphargus kochianus – Ein Beispiel aus der Sammlung, die mehr als 10.000 kleine Lebewesen umfasst. © Dr. Thomas Glatzel

 

Unter der Oberfläche ist es oft viel lebhafter, als wir vermuten. Das gilt nicht nur für den Ozean, sondern auch für unseren primären Lebensraum: Die Stadt. Die Unterwelt gilt schon lange als mystisch und sogar als Portal für Götter oder als Tor zu der Welt der Toten. Unsere Forschende beschäftigen sich damit, was wirklich in den Untiefen lauert:

In Fall unseres Schatzes, sind es Krebstiere. Eine Sammlung von mehr als 10.000 kleinen Lebewesen, die im Grundwasser und im interstitiellen System in Deutschland und an anderen Orten auf der Welt gesammelt wurden. Diese erstaunliche Sammlung von Krustentieren wurde von Dr. Thomas Glatzel von der Universität Oldenburg kurz vor seiner Pensionierung in diesem Jahr gestiftet. Diese Tiere repräsentieren nicht nur die wissenschaftliche Arbeit von ihm, sondern auch die Arbeit mehrerer deutscher Forscher und Studierenden über unterirdische und interstitielle Lebensräume, wie Dr. Ulrich Einsle, Dr. Siegfried Husmann und Prof. Dr. Horst Kurt Schminke.

Alexandra Segelken-Voigt und Thomas Glatzel bei der Probenahme von Meiofauna im Watt auf Wangerooge.
Dr. Thomas Glatzel (links) hat die Sammlung dem Museum der Natur Hamburg zur Verfügung gestellt.
© Dr. Thomas Glatzel

 

Die Glatzel-Sammlung umfasst nicht nur Hunderte von Individuen von Copepoden, Amphipoden und Bathynelliden, sondern auch eine ergänzende Sammlung der gesamten Literatur, die während seines akademischen Lebens gesammelt wurde, sowie Fotos, Karten, Feldnotizen und Videos. Damit dürfte diese Sammlung eine der bedeutendsten ihrer Art in Deutschland sein. Aus diesem Grund freut sich Crustacea-Kuratorin Nancy Mercado am Museum der Natur Hamburg besonders, sie zu betreuen und sie Forschenden zur Verfügung zu stellen, die Krustentiere weltweit schützen wollen.

Warum ist es wichtig, die Grundwasserlebensräume und die dazugehörige Fauna zu untersuchen?
Grundwasser ist eine der wichtigsten Ressourcen für das menschliche Wohlergehen und der größte Süßwasserlebensraum der Erde. Außerdem beherbergt dieser Lebensraum eine einzigartige und vielfältige Fauna. Ein wesentlicher Teil dieser außergewöhnlichen Vielfalt besteht aus wirbellosen Tieren, insbesondere aus kleinen Krebstieren wie Copepoden, Ostracoden, Amphipoden, Bathynelliden und Asseln. Darüber hinaus kann die biologische Vielfalt des Grundwassers ein Indikator für den ökologischen Zustand unterirdischer Ökosysteme sein, die wichtige Ökosystemdienstleistungen wie Trinkwasser bereitstellen. Diese Wasserressourcen sind weltweit durch Landwirtschaft, Industrie und Urbanisierung bedroht. All diese menschlichen Aktivitäten können die Gesundheit der Grundwasserökosysteme gefährden, indem sie beispielsweise ihre ökologische Struktur und Funktion sowie die von ihnen erbrachten Ökosystemleistungen nachhaltig verändern.

„Sammlungen – wie die von Dr. Glatzel – sind für die Überwachung der biologischen Vielfalt unterirdischer Systeme von grundlegender Bedeutung, da sie uns nicht nur helfen, die biologische Vielfalt zu untersuchen, sondern auch Informationen über die physikalischen und chemischen Merkmale und die geografische Verteilung solcher Systeme liefern. All dies ist wichtig, um die Erhaltungsstrategien für diese unterirdischen Systeme und die mit ihnen verbundene Fauna zu stärken!“, sagt Nancy Mercado über unseren Schatz des Monats.

Assel, Dorsalansicht – Proasellus cavaticus. © Dr. Thomas Glatzel
Bathynellide, Lateralansicht – Antrobathynella stammeri. © Dr. Thomas Glatzel
Copepode, Lateralansicht – Parastenocaris phyllura, Männchen mit Spermatophore. © Dr. Thomas Glatzel
Copepode, Lateralansicht – Chappuisius singeri, oben Weibchen, unten Männchen mit Spermatophore. © Dr. Thomas Glatzel
Copepode, Ventralansicht, Interferenzkontrastaufnahme – Parastenocaris phyllura, Weibchen mit Eiern. © Dr. Thomas Glatzel
Copepode, Naupliusstadium 6, Ventralansicht, Parastenocaris phyllura. © Dr. Thomas Glatzel

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