„Mehr Biodiversität kann größere Erträge erbringen“

 

Schließen sich ertragreiche Ernten und eine insektenfreundliche, nachhaltige Landwirtschaft aus? Im Gegenteil, sagt Prof. Dr. Christoph Scherber. Der Agrarökologe leitet das Zentrum für Biodiversitätsmonitoring und Naturschutzforschung im LIB. Zusammen mit seinem Forschungsteam entwickelt er Lösungen für den Umbau in der Landwirtschaft hin zu mehr Biodiversität.

Einer wachsenden Weltbevölkerung mit hohem Nahrungsmittelbedarf steht der Insektenschutz gegenüber. Schließen sich Ökologie und Ökonomie in der Landwirtschaft aus?

„Nein, im Gegenteil: Die Forschung ist jetzt gefragt, aktiv nach Lösungen zu suchen, bei denen Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen können. Biodiversität muss als ein Produktionsfaktor angesehen werden – mehr Biodiversität kann sogar größere und stabilere Erträge bringen.“
„Nein, im Gegenteil: Die Forschung ist jetzt gefragt, aktiv nach Lösungen zu suchen, bei denen Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen können. Biodiversität muss als ein Produktionsfaktor angesehen werden – mehr Biodiversität kann sogar größere und stabilere Erträge bringen.“
„Nein, im Gegenteil: Die Forschung ist jetzt gefragt, aktiv nach Lösungen zu suchen, bei denen Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen können. Biodiversität muss als ein Produktionsfaktor angesehen werden – mehr Biodiversität kann sogar größere und stabilere Erträge bringen.“

Welche Möglichkeiten haben konventionell arbeitende landwirtschaftliche Betriebe, gute Erträge zu erzielen und gleichzeitig den Insektenschwund auszubremsen?

„Es gibt hier eine Vielzahl an Maßnahmen. Innerhalb der Kulturen helfen Untersaaten, Mischkulturen oder eine reichhaltige Fruchtfolge. Generell ist es aber vor allem wichtig, vernetzende Randstrukturen aufzubauen, die wie Lebensadern durch die Agrarlandschaft ziehen. Es muss nicht immer jeder Quadratmeter bis zum Rand bewirtschaftet werden.“

Inwiefern ist die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und die hohe Dynamik des Landschaftswandels für die aktuellen Verluste an biologischer Vielfalt verantwortlich?

„Die Landschaft, die uns umgibt, hat sich in den letzten hundert Jahren stark gewandelt. Viehhaltung findet nicht mehr draußen statt, Felder wurden im Rahmen der Flurbereinigung zusammengelegt, und auf den Äckern stehen die Nutzpflanzen immer dichter. Hier bleibt wenig Platz für Brutvögel oder andere dringend benötigte Rückzugsräume für Biodiversität in der Agrarlandschaft wie Unkräuter.“
„Die Landschaft, die uns umgibt, hat sich in den letzten hundert Jahren stark gewandelt. Viehhaltung findet nicht mehr draußen statt, Felder wurden im Rahmen der Flurbereinigung zusammengelegt, und auf den Äckern stehen die Nutzpflanzen immer dichter. Hier bleibt wenig Platz für Brutvögel oder andere dringend benötigte Rückzugsräume für Biodiversität in der Agrarlandschaft wie Unkräuter.“

Was wissen wir heute über Ursachen und Folgen des Insektenrückgangs in der Landwirtschaft?

„Ein Hauptproblem ist die Aufgabe traditioneller Nutzungsformen und die zunehmende Mechanisierung und Automatisierung aller Arbeitsschritte. Nehmen Sie das Beispiel Saatgutreinigung: Früher haben Kornblume und Klatschmohn unsere Felder bunter gemacht. Davon ist heute fast nichts mehr übrig. Nutztiere und vor allem Rinder werden heute nur noch selten draußen gehalten. Das führt zu einer weniger bunten Landschaft und insgesamt weniger Insekten. Viele Landwirte sind aber bereit, etwas zu verändern und aktiv etwas für die Biodiversität zu tun. Hier ergibt sich eine große Chance, wieder mehr Biodiversität in Agrarlandschaften zurückzuholen.“
„Ein Hauptproblem ist die Aufgabe traditioneller Nutzungsformen und die zunehmende Mechanisierung und Automatisierung aller Arbeitsschritte. Nehmen Sie das Beispiel Saatgutreinigung: Früher haben Kornblume und Klatschmohn unsere Felder bunter gemacht. Davon ist heute fast nichts mehr übrig. Nutztiere und vor allem Rinder werden heute nur noch selten draußen gehalten. Das führt zu einer weniger bunten Landschaft und insgesamt weniger Insekten. Viele Landwirte sind aber bereit, etwas zu verändern und aktiv etwas für die Biodiversität zu tun. Hier ergibt sich eine große Chance, wieder mehr Biodiversität in Agrarlandschaften zurückzuholen.“
„Ein Hauptproblem ist die Aufgabe traditioneller Nutzungsformen und die zunehmende Mechanisierung und Automatisierung aller Arbeitsschritte. Nehmen Sie das Beispiel Saatgutreinigung: Früher haben Kornblume und Klatschmohn unsere Felder bunter gemacht. Davon ist heute fast nichts mehr übrig. Nutztiere und vor allem Rinder werden heute nur noch selten draußen gehalten. Das führt zu einer weniger bunten Landschaft und insgesamt weniger Insekten. Viele Landwirte sind aber bereit, etwas zu verändern und aktiv etwas für die Biodiversität zu tun. Hier ergibt sich eine große Chance, wieder mehr Biodiversität in Agrarlandschaften zurückzuholen.“

Mit welchen Forschungsprojekten am LIB suchen Sie nach Lösungsansätzen, um die landwirtschaftliche Produktion ökologischer zu gestalten?

FINKA: Mit diesem Programm fördern wir in enger Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und -wirte die Biodiversität von Insekten im Ackerbau. Auf Versuchsflächen verzichten wir auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel gegen Insekten und Ackerbeikräuter. Andere Flächen werden wie gewohnt beackert. Die Unterschiede in der Entwicklung der Insektenvielfalt überprüfen wir fortlaufend über Monitorings – und diskutieren diese mit den Landwirtinnen und -wirten.
FlowerBeet: Hier testen wir, ob sich ein Befall mit Blattläusen beim Anbau von Zuckerrüben durch Nützlinge – statt durch den schädlichen Einsatz von Insektiziden – kontrollieren lässt. Blattläuse sind häufig Überträger von ertragsmindernden Pflanzenviren. Um die Verbreitung von Nützlingen zu fördern, legen wir innerhalb der landwirtschaftlichen Produktionsflächen Blühstreifen an.
NaPA: Hier arbeiten wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit innovativen Landwirtinnen und -wirten zusammen, die etwas für die Natur tun möchten. Wir überprüfen biodiversitätsfördernde Maßnahmen, wie zum Beispiel Blühstreifen oder Ökolandbau, von der Ostseeküste bis nach Wien.
NaPA: Dabei untersuchen wir Boden, Pflanzen und Insekten das ganze Jahr über mit einer Reihe moderner Monitoring-Methoden.
NaPA: Am Ende wollen wir Wege aufzeigen, wie im laufenden Betrieb die biologische Vielfalt gefördert werden kann. Die landwirtschaftlichen Betriebe sollen dabei als „Leuchttürme“ in ihre jeweiligen Regionen hineinwirken.
BioMonitor4CAP: Im Rahmen dieses EU-geförderten Forschungsprogramms generieren wir über Monitorings Daten, die im Zuge einer angestrebten Transformation in der Landwirtschaft als Grundlage für politische Diskussionen und Entscheidungen genutzt werden. Aus den Daten können wir die Treiber für die Biodiversitätskrise herauslesen und Prognosen für die Zukunft skizzieren.

Weiterführende Informationen:
Gesichter des LIB: Christoph Scherber

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