Gesichter des LIB: Karen Meusemann

„Habt keine Scheu etwas zu sagen und mischt euch ein. Und vor allem: Lasst euch nicht von ungeplanten Umwegen beirren!“

© LIB, Eva Niephaus

 

Als Forschungsreferentin ist sie derzeit eine Schnittstelle zwischen den verschiedenen Bereichen am LIB. Mit ihrer Arbeit möchte sie Menschen vernetzen und Projekte voranbringen. Hätte ihr Weg sie nicht in die Biologie und Forschung geführt, wäre sie heute vielleicht als Musikerin auf Tour.

Was hat Sie zur Biologie und zum LIB geführt?

Aufgewachsen im Siebengebirge, hat mein Vater mit mir als kleiner Knirps oft das Museum Koenig Bonn besucht. Ich war nicht immer begeistert vom Museumsbesuch, aber die Kolibris und Dioramen haben mich fasziniert. Die DNA-Extraktion aus Zwiebeln im Bio-Leistungskurs war ein Auslöser für mein Interesse an der Biologie – insbesondere die Genetik fand ich hoch interessant. Glasklar und direkt war der Weg in die Biologie und Forschung für mich allerdings nicht. Ein HiWi-Job hat mich zunächst zum Museum Koenig Bonn geführt. Während dieser Zeit haben Clas Naumann und Bernhard Misof mich schließlich inspiriert und unterstützt, Wege einzuschlagen, die ich selbst nicht geplant hatte: Diplomarbeit und Promotion am Museum Koenig Bonn. Nach einem ziemlich langen Umweg über Down Under und Freiburg, bin ich nun seit gut einem Jahr glücklich zurück „zu Hause“ am Museum Koenig Bonn – jetzt LIB.

Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie nicht Biologin geworden wären?

Vorstellen kann ich mir sehr viel: Musikerin oder Instrumentenbauerin. Denn ich hatte neben Biologie auch begonnen Musikwissenschaften zu studieren. Aber wahrscheinlich wäre ich im Veranstaltungsbereich gelandet und hätte Events rund um wissenschaftliche Themen organisiert. Grundsätzlich kann ich mich für vieles begeistern – Hauptsache abwechslungsreich und mit Freude.

War Ihre Tätigkeit von Anfang an Ihr Traumjob oder hat sie sich dahin entwickelt?

Ich hatte – außer Kontrabassistin, mit eine Körpergröße von 1,30 Metern doch unrealistisch – nicht “den” Traumjob, den ich unbedingt machen wollte oder auf den ich gezielt hingearbeitet habe. Als Forschungsreferentin Forschung und Organisatorisches zu verbinden macht mir einfach Spaß. Derzeit bin ich eine Schnitt- und Vernetzungsstelle zwischen allen Bereichen am LIB – diese Tätigkeit ist sowohl herausfordernd als auch reizvoll. An die politische Dimension bei meiner Arbeit gewöhne ich mich gerade.

Welcher Aspekt Ihres Berufs ist für Sie ein Highlight?

Vielfalt: Mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten und mich mit den verschiedensten Themen und Methoden hinsichtlich Natur und Biodiversität auseinanderzusetzen. Highlight ist vor allem auch, wenn Mitarbeitende sich nach anfänglicher Skepsis für etwas motivieren und begeistern lassen. Wie zum Beispiel in dem Projekt 1KITE: Viele haben uns zu Beginn belächelt, dann ist es ein international anerkanntes sehr erfolgreiches und spannendes Projekt geworden.

Was raten Sie jungen Menschen am Beginn ihrer Berufslaufbahn?

Knüpft Kontakte wo es geht. Reist möglichst viel herum. Habt keine Scheu etwas zu sagen und mischt euch ein. Und vor allem: Lasst euch nicht von ungeplanten Umwegen beirren! Bevor mein Weg mich zur Promotion und in die molekulare Phylogenie führte, musste ich eine längere Umleitung über das Qualitätsmanagement im Catering nehmen. Man hat immer die Möglichkeit etwas Neues zu lernen und neue Wege zu gehen. Eure Arbeit sollte euch Freude machen – mit Höhen und Tiefen natürlich.

Gibt es einen Lieblingsort in der Natur?

Sehr schön finde ich kleine Seen oder Tümpel im Wald, wo man Libellen und Schlammfliegen beim Jagen zusehen kann.

Krebse, Fische, Schmetterlinge oder andere Tiere oder Pflanzen: Wer hat ihre ganz persönliche Zuneigung?

Kater (natürlich auch Katzen), Fledermäuse, Springschwänze und Otopteryx volitans.

Freizeit – wie gestalten Sie sie?

Derzeit werkel ich im Gemüsegarten rum und stelle verschiedene kulinarische Köstlichkeiten selbst her (Limoncello, Senf, schwarze Walnüsse). Ansonsten faul sein und einfach mal dösen – halb zugedeckt von meinen drei Katern.

Was möchten Sie den Lesenden mit auf den Weg geben?

Ich wünsche mir, dass wir uns selbst etwas weniger ernst nehmen und vor allem neugierig bleiben.

Was sollen die Menschen in zehn Jahren mit dem LIB assoziieren?

Das LIB soll in Deutschland als Knotenpunkt der Biodiversitätsforschung gelten und die Gesellschaft durch alle Schichten hinweg zusammenbringen.

 

Dr. Karen Meusemann ist Wissenschaftliche Forschungsreferentin am LIB. Sie studierte Diplom-Biologie und promovierte über molekulare Phylogenie von Hexapoden im Schwerpunktprogramm “Deep Metazoan Phylogeny”. Sie ist Mitbegründerin des internationalen Projekts „1000 Insect Transcriptome Evolution“ (1KITE). Nach drei Jahren an der Australian National Insect Collection, CSIRO Canberra und fast fünf Jahren an der Universität in Freiburg als Projektkoordinatorin einer Forschungsgruppe, ist sie seit April 2021 am LIB im Direktionsstab tätig.

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