„Facettenreiche Insekten“: Wanderausstellung in Hamburg eröffnet

Eröffnung der Ausstellung „Facettenreiche Insekten“:  Prof. Dr. Bernhard Misof, Generaldirektor LIB;
Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN);
Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft und  Forschung Hamburg;
Dr. Martin Husemann, LIB-Insektenspezialist und Projektleiter der Ausstellung.

© LIB, Philipp Reiss

 

Schillernd schön, erfolgreich, nützlich – und bedroht. Obwohl Insekten extrem viel für uns Menschen leisten, tragen wir die Verantwortung für ihren Schwund. Ab heute, 23. März 2022, ist die Wanderausstellung „Facettenreiche Insekten: Vielfalt I Gefährdung I Schutz“ im Zoologischen Museum in Hamburg und danach in weiteren Ausstellungshäusern Deutschlands zu sehen. Sie geht unter anderem der Frage nach, wie wir diese faszinierenden Tiere besser schützen können.

„Um die Vielfalt der Insekten und die biologische Vielfalt in ihrer Gesamtheit zu erhalten, braucht es ein Umdenken in unserer Gesellschaft. Die Ausstellung ,Facettenreiche Insekten´ führt uns vor Augen, dass wir mit dem Rückgang der Insekten nicht nur den Anblick farbenfroher Schmetterlinge verlieren, sondern unsere Lebendgrundlagen in Gefahr sind“, betonte Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), in ihrer Eröffnungsrede. Die Ausstellung ist Teil des Projektes „ProInsekt“, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert und vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) in Zusammenarbeit mit NORe (Museumsverbund der Nord- und Ostsee Region e. V.) umgesetzt wird.

„Ich freue mich sehr über die Ausrichtung dieser Ausstellung“, betont Prof. Dr. Bernhard Misof, Generaldirektor des Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB). „Sie spiegelt das gesamte Spektrum der Forschung im LIB wider und bereitet sie für jeden nachvollziehbar auf. An unseren Standorten in Hamburg und Bonn sowie mit Partnerinnen und Partnern in aller Welt analysieren wir, in welcher Form Insekten gefährdet sind und warum sie verschwinden. Wir suchen intensiv nach Lösungen, wie wir Insekten schützen können und gehen dazu mit der Politik und der Öffentlichkeit ins Gespräch.“

Der Rückgang der Insektenarten ist in den Roten Listen über viele Jahrzehnte belegt. Auch der vor wenigen Tagen vom BfN veröffentlichte dritte Band der wirbellosen Tiere zeigt, dass zwar bei einigen wenigen Insektenarten die Bestände zugenommen haben, die Rückgänge vieler Arten aber deutlich überwiegen. Umfassende Studien zum massiven Schwund der Biomasse hatten vor fünf Jahren die drastische Entwicklung zum Thema öffentlicher Diskussionen gemacht, ein Umdenken setzte ein: Die Bundesregierung verabschiedete 2019 das sogenannte „Aktionsprogramm Insektenschutz“, kurz API, das wirksamste und umfangreichste Maßnahmenpaket zum Schutz von Insekten und ihrer Vielfalt. Darüber hinaus wurden zahlreiche Forschungs- und Schutzprogramme für Insekten ins Leben gerufen. Welche konkreten Maßnahmen sind im API festgelegt und was tut Deutschland darüber hinaus für den Erhalt der Insekten – auch im Vergleich zu anderen Ländern? Was wissen wir inzwischen über das Leben und die Lebensräume der Sechsbeiner – wo fehlen uns Informationen? Wie effektiv wirken Maßnahmen in der Landwirtschaft und im Privaten?

Diesen Fragen geht die Ausstellung nach: „Facettenreiche Insekten“ skizziert, wo die Ursachen und Folgen des massiven Rückgangs an Insektenbiomasse sowie an Insektenarten liegen. Sie legt dar, welche Möglichkeiten sich auf politischer und privater Ebene bieten, den Schwund zu stoppen. Aktuell erhobene wissenschaftliche Daten aus den Sammlungen der an der Ausstellungsentwicklung beteiligten NORe-Museen fließen ein und zeigen, wie sich die Zusammensetzung der Insektengemeinschaften in Norddeutschland geändert hat und welche Arten aktuell gefährdet sind.

Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft und Forschung: „Ich freue mich, dass wir mit ‚Facettenreiche Insekten‘ nun eine interaktive Ausstellung für Jung und Alt in Hamburg zu Gast haben, die spannende Einblicke in unsere Insektenwelten ermöglicht und ihre Relevanz für die Biodiversität betont. Die Wanderausstellung macht die facettenreiche Arbeit des LIB für alle Hamburgerinnen und Hamburger greifbar und leistet einen wichtigen Beitrag, um einem breiten Publikum die komplexen Fragen unserer Umwelt verständlich zu machen und für die ökologische Vielfalt zu sensibilisieren.“

 Hintergrund Insekten

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe. Mit ihren ausgefeilten Verhaltensstrategien und vielfältigen Körpermerkmalen sind sie in nahezu allen Lebensräumen der Erde zu finden. Ihre zahlreichen Fähigkeiten machen sie unverzichtbar für die Ökosysteme und auch für unser Leben: Bestäuber sorgen für gute Ernten, andere Insekten helfen beim Abbau von Dung, Kadavern und abgestorbenen Pflanzen. Zudem sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für eine Vielzahl anderer Tiere. Entsprechend hat der Rückgang der Insekten gravierende Folgen – auch für den Menschen.

Ausstellung „Facettenreiche Insekten“

„Facettenreiche Insekten“ wird bis 2024 in den Museen des NORe-Verbundes gezeigt und wandert anschließend in weitere Ausstellungshäuser Deutschlands. Die Wanderausstellung greift Vorurteile auf und nimmt alle Bevölkerungs- und Altersgruppen mit auf eine Entdeckungsreise in die Welt dieser faszinierenden Tiergruppe. Mit vielen Mitmach- und Medienstationen ist die Ausstellung interaktiv und lädt zum Entdecken, kreativen Gestalten, zum Zuhören und Nachdenken über den eigenen Aktionsradius an. Ein vielfältiges Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm und ein Begleitbuch ergänzen die Ausstellung.

Die Ausstellung wurde im Projekt „ProInsekt“ entwickelt und wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Zur Ausstellungswebsite: WWW.PROINSEKT.DE

Weiterführende Informationen:

https://www.bfn.de/insektenrueckgang

https://www.bfn.de/pressemitteilungen/neue-rote-liste-mehr-als-ein-viertel-der-insekten-arten-bestandsgefaehrdet


Kontakt:
Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB)
Dr. Martin Husemann,  Projektleiter „ProInsekt“ & Sektionsleiter Hemimetabole und Hymenoptera
m.husemann@leibniz-lib.de

Pressekontakt:
Mareen Gerisch
Leitung Presse & Kommunikation, LIB Hamburg
m.gerisch@leibniz-lib.de

Der Ausstellungsraum „Vielfalt“ zeigt nicht nur die Diversität der Insekten, sondern auch ihre Bedeutung für uns Menschen und die Natur.
Hier entdeckten Besucherinnen und Besucher wie anpassungsfähig die Sechsbeiner sind, die fast jeden Fleck der Erde bewohnen.
Die Plattbauch-Libelle begrüßt die Besucherinnen und Besucher in Überlebensgröße. Im Maßstab 1:10 sehen wir jedes Detail und können das Tier aus allen Richtungen genau beobachten.
Im letzten Raum der Ausstellung lernen wir die Gefahren kennen, denen die Insekten in unserer Natur ausgeliefert sind. Gemeinsam erfahren wir, was wir dagegen tun können und wie sie besser geschützt werden können.
Detaillierte Aufnahmen von Insekten werden durch Texte ergänzt, die auf die Gefahren hinweisen, denen die Sechsbeiner ausgesetzt sind. Mitmachstationen und Hörstationen machen den Besuch zu einem Erlebnis für (fast) alle Sinne.
Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft und Forschung, betont den wichtigen Beitrag der Wanderausstellung, einem breiten Publikum die komplexen Fragen unserer Umwelt verständlich zu machen und für die ökologische Vielfalt zu sensibilisieren.
Viele Insektenarten sind bedroht, aber die Mehlwürmer und Heuschrecken vom Buffet der Ausstellungseröffnung könnten die zukünfige Proteinquelle einer nachhaltigen Ernährung sein.
Bei der Podiumsdiskussion ging es um „Insektenschutz – Machen wir genug in Deutschland?“ Dabei waren Dr. Martin Sorg, Dr. Laura Breitkreuz, Prof. Dr. Jan Christian Habel und Sabine Riewenherm moderiert von Katharina Schmitz (GEO).
Die „Macherinnen und Macher“ der Ausstellung freuen sich über die Eröffnung: Frithjof Leopold, Anne Merker, Dr. Lioba Thaut und Dr. Martin Husemann (v.l.n.r.).

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