Neue, möglicherweise baumbewohnende Reisratten-Art in Ecuador entdeckt

Zeichnung der neuen Art Mindomys kutuku. © Glenda Pozo

 

Neue Rattenart der kaum bekannten und seltenen Gattung Mindomys beschrieben: Drei Expeditionen führten ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) in die Cordillera de Kutukú, einem isolierten Gebirgszug in Ecuador, um nur ein einziges Exemplar der bislang unbekannten Art zu finden. Der Fund im Bereich der amazonischen Seite der Anden unterstreicht die wertvolle biologische Bedeutung dieser Gebirgsregion.

„Insgesamt umfassten die Expeditionen in die Kutukú-Region im Südosten Ecuadors 1.200 Fangnächte, doch lediglich ein einziges Exemplar der neuen Art Mindomys kutuku konnte dabei gefunden werden“, erläutert Dr. Claudia Koch, Kuratorin der Herpetologie am LIB, Museum Koenig Bonn den Aufwand, mit dem das seltene Tier ausfindig gemacht wurde. Von dem gesammelten Exemplar wurde die trockene Haut, das Skelett und Gewebe für die Sammlungen konserviert. Die Aufbewahrung ermöglicht zukünftig, Umweltveränderungen zu erkennen, mehr über die Ökologie der Tiere und Pflanzen zu erfahren – und die Neubeschreibung, die in der renommierten Zeitschrift Evolutionary Systematics veröffentlicht wurde, zu dokumentieren. Die Reisratten-Gattung Mindomys galt bisher als monotypisch und beinhaltete lediglich die Typusart Mindomys hammondi. Diese Art ist nur von wenigen Exemplaren bekannt, welche alle in den Vorgebirgswäldern der Anden im Nordwesten Ecuadors gesammelt wurden.

Anhand von Computertomographie-Aufnahmen, die für die neue Art und für den Holotypus (Exemplar anhand dessen eine Art beschrieben wurde) von M. hammondi im Natural History Museum in London angefertigt wurden, konnten die Forschenden Jorge Brito vom Instituto Nacional de la Biodiversidad (INABIO), Claudia Koch, Nicolás Tinoco von der Pontificia Universidad Católica del Ecuador (PUCE) und Ulyses Pardiñas vom Instituto de Diversidad y Evolución del Sur (IDEAus-CONICET) die Schädel der beiden Arten sehr detailliert im 3D-Modell vergleichen und anhand anatomischer Merkmale unterscheiden.

Das ausgewachsene Männchen von M. kutuku misst von der Schnauz bis zur Schwanzspitze knapp 35 Zentimet, wovon der Schwanz etwa 20 cm ausmacht. Es besitzt eine dunkel rötlich-braue Rückenfärbung und ein blassgelbes Bauchfell.

Da das einzige gefundene Exemplar mit Hilfe einer Bodenfalle gefangen wurde, konnte es nicht ein seinem Lebensraum beobachtet werden. Zur Lebensweise der neuen Art ist somit, ebenso wie über die Schwesternart M. hammondi, kaum etwas bekannt. Das Wissenschaftsteam vermutet, dass es sich bei beiden um baumbewohnende (arboreale) Arten handeln könnte. Ein Schwanz, der deutlich länger, als die Körperlänge und zudem mit langen Haaren bedeckt ist, könnte zwei Merkmale aufweisen, die auf eine arboreale Lebensweise hindeuten. Aborealität ist jedoch die am wenigsten erforschte Lebensweise innerhalb der Neuweltmäuse und es fehlt noch immer an einer verlässlichen Studie über die anatomischen Aspekte, die typisch für diese Lebensweise sind.

Bisher waren Mindomys-Nachweise auf die westlichen Andenausläufer Ecuadors beschränkt. Das Kutukú-Material zeigt nun, dass die Gattung auch auf der amazonischen Seite der Anden vorkommt und unterstreicht die wertvolle biologische Bedeutung der isolierten Gebirgszüge im Osten Ecuadors.

 

Kontakt

Dr. Claudia Koch
Kuratorin Herpetologie
Leiterin der Lebendtierhaltung am LIB, Museum Koenig Bonn
Strahlenschutzbeauftragte
Tel. +49 228 9122-234
c.koch@leibniz-lib.de

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